Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

Heute  stehen  die  Colonialwarenhändler  in  dem  Rufe,
Fälscher  zu  sein,  und  ehrenvolle  Ausnahmen  können  an
diesem  allgemeinen  Urteile  nichts  ändern.  Die  Milchhändlerinnen ­
  wollen  trotz  der  polizeilichen  Ueberwachung
von  der  verderblichen  Gewohnheit,  ihre  Milch  zu  taufen,
nicht  ablassen.  Die  grossen,  wie  die  kleinen  Butterfabricanten
  stehen  z.  B.  in  Belgien  so  häufig  in  Beziehung  zu
Margarinefabricanten,  dass  diese  in  ihren  Prospecten  elegante ­
  Attrappen  anpreisen,  mit  deren  Hilfe  die  Margarine
in  die  Molkereien  gebracht  werden  kann,  ohne  dass  dadurch ­
  die  Aufmerksamkeit  des  Publicums  oder  der  Polizeibeamten ­
  erregt  wird.*)
Wenn  man  sich  endlich  einen  Begriff  machen  will
von  den  (abscheulichen  Zuständen  in  den  kleinen  Bäckereien
und  über  die  Qualität  ihrer  Producte,  dann  mag  man  die
Schilderungen  nachlesen,  die  der  Freiherr  Friedrich  von
Weichs-Glon  in  einer  Studie  über  die  Verstadtlichung
der  Bäckereien  in  der  Revue  d’Economie  politique  gegeben ­
  hat.
„Wir  wollen  einmal,“  sa  sagt  er,  „in  irgend  eine  der
Backstuben  unserer  Bäcker  eintreten;  ein  heftiger  Ekel
vor  dem,  was  sich  dort,  entgegen  den  elementarsten  Regeln
der  Hygiene  abspielt,  wird  sich  unserer  bemächtigen.  Fast
alle  liegen  sie  in  düsteren,  feuchten  Gelassen,  die  tiefer

*)  „Die  Verpackung  giebt  zu  erheblichen  Missständen
Anlass.  Eine  bedeutende  Menge  Margarine  wird  den  Detaillisten
in  den  verschiedensten  Gefässen  verkauft,  als  da  sind  Luxuskörbe, ­
  Haushaltungs-  und  Küchengegenstände  u.  s.  w.  Die
Preise,  zu  denen  diese  Verpackungen  abgelassen  werden,  beweisen, ­
  dass  sie  mindestens  ebenso  oft  dazu  dienen  sollen,  die
Ware  zu  verbergen,  als  sie  zu  beherbergen;  manchmal,  ist  man
thatsächlich  überrascht  von  der  Menge  von  Margarine,  die
irgend  ein  Händler  in  seinem  Keller  oder  einem  Hintergelass
liegen  hat,  den  man  nach  der  Auslage  in  seinem  Schaufenster
für  einen  Klempner  oder  Korbmacher  halten  möchte.“  Bericht
von  Mérode  über  den  Gesetzentwurf  zur  Verhinderung  des  Betrugs ­
  mit  Margarine.  (Belgische  Kammer  der  Abgeordneten,
7.  März  1900.)
            
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