Full text: Die Entwickelung zum Socialismus

Im Jahre 1898 beklagte sich z. B. die Vereinigung 
der Industrie- und Handelsgesellschaften in Belgien, ob 
mit Recht oder mit Unrecht, das mag dahingestellt bleiben, 
über gewisse Missstände in den Eisenbahntarifen und 
sagte, „dass diese Missstände so lange andauern werden, 
wie die Eisenbahnen vom Staat betrieben und von einem 
Politiker geleitet werden, der immer allen möglichen Bitten 
und Drängen ausgesetzt sei.“ Sie forderte deshalb, „die 
Bildung eines Tarif rates, zusammengesetzt aus Eisenbahn 
fachmännern, Parlamentsmitgliedern und Vertretern des 
belgischen Handels und der Industrie, den der Minister 
zu hören verpflichtet sein soll, bevor er neue Tarife erlässt 
oder die alten abändert.“ 
Ein ähnlicher Vorschlag bildet Gegenstand parlamen 
tarischer Verhandlungen in Frankreich. 
Unlängst sprach sich Leroy-Beaulieu in den Artikeln, 
die er über die „Postanarchie“ in Frankreich veröffentlicht 
hat, — einer Anarchie, die er übrigens erheblich über 
trieben zu haben scheint, — ebenfalls für Trennung des 
eigentlichen Staates von dem Staate als Leiter des Bahn 
wesens aus. „Man kann sich fragen,“ so sagt er, „ob man 
gut beraten war, als man den Postdienst „parlamentari 
sche“, d. h. einen Unterstaatssecretär, einen Abgeordneten 
oder Senator an seine Spitze stellte. Die Verwaltung der 
Post hat absolut nichts mit der Politik zu thun ; sie kann 
nur von einem Manne geleitet werden, der sich in einer 
Reihe von Dienstjahren eine gewisse technische Competenz 
erworben hat. Warum stellt man also eine lediglich decora 
tive, notwendigerweise sachunkundige und laienhafte Per 
son an die Spitze?“*) 
Und warum denn, so können wir, diese ganz richtigen 
Bemerkungen verallgemeinernd, fragen, stellt man der 
artige Personen an die Spitze der anderen öffentlichen 
Dienste, besonders der Transportanstalten, die mehr und 
*) Economiste français vom 13. Januar 1900.
	        
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