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Pietsch, Unterricht in Versicherungsmathematik.
fürchten, daß sich der Laufbahn als Versicherungsmathematiker
vorzugsweise minderbegabte Personen zuwenden, die sich dem regelmäßigen
Studiengang als Mathematiker nicht gewachsen fühlen.
Dadurch aber führt man der Versicherungswelt nur unzufriedene
Existenzen zu. Die höheren Stellen bleiben solchen Leuten verschlossen
und die niedrigeren Stellen befriedigen sie nicht. Dr. Manes
spricht in seiner Schrift »Versicherungswissenschaft auf deutschen
Hochschulen« von einer bestehenden Abneigung gegen die diplomierten
staatlich geprüften Versicherungsverständigen. Diese dürfte, soweit
es sich um Versicherungsmathematiker handelt, teilweise darauf
zurückzuführen sein, daß in weiten Kreisen vermutet wird, daß sich
dem Versicherungsseminar vielfach Leute zuwenden, die für das
allgemeine akademische Studium nicht genügend befähigt sind.
Sehr sympathisch ist mir der von anderer Seite gemachte
Vorschlag, eine Hochschule für Versicherungs wissen schaff
zu errichten, zu der nur gereifte Personen zugelassen werden,
Akademiker, die ihren Studiengang als Juristen, Mathematiker usw.
abgeschlossen haben, und Praktiker, die sich nachträglich eine theoretische
Grundlage verschaffen wollen. Die Dauer des Kursus wird
für Versicherungsmathematiker höchstens auf ein Jahr zu bemessen
sein. Erwünscht wäre es, wenn Versicherungsmathematikern, die
sich auf anderem Wege die theoretische Vorbildung verschafft haben
und auch praktisch schon tätig gewesen sind, Gelegenheit geboten
würde, in Kursen von kurzer Dauer Vorlesungen über besonders
ausgewählte Kapitel zu hören. Ich lasse dahingestellt, ob es sich
empfiehlt, dies durch eine eigenartige Einrichtung des Lehrplans
einer zu errichtenden Hochschule für Versicherungswissenschaft zu
erreichen.
Neben den höheren Beamten bedarf die Versicherungswelt
einer großen Zahl mittlerer Beamten. Auch für die versicherungstechnischen
Arbeiten ist wegen der meist umfangreichen Rechnungen
eine größere Zahl von Hilfskräften erforderlich. Besondere Einrichtungen
zur Vorbildung derartiger Hilfspersonen halte ich nicht
für zweckmäßig. Kenntnisse in der Versicherungsmathematik sind
bei ihnen nicht unbedingt notwendig. Jedenfalls ist mir zur Unterstützung
ein gewandter und verständiger Rechner lieber als ein
Mathematiker mit geringer Befähigung. Indessen wird dem Versicherungsmathematiker
die Arbeit erleichtert, wenn seine Hilfsbeamten
nicht lediglich Rechenmaschinen sind, sondern auch den
Zusammenhang der Rechnungen möglichst übersehen, nach gegebenen
Formeln Rechnungen ausführen können usw. Überhaupt
ist es dringend erwünscht, daß die Hilfsbeamten die Grundzüge des
Versicherungswesens in übersichtlicher Weise vorgeführt erhalten.
Dies wird aber am besten erst dann geschehen, wenn die jungen
Leute einige Zeit praktisch tätig gewesen sind. Für sie werden an
Orten, an denen sich mehrere Versicherungsgesellschaften befinden,
besondere Fortbildungskurse abgehalten werden können, in
denen sie in elementarster Weise über alles für sie Wissenswerte zu
unterrichten wären.