Manes, Errichtung einer Zentralstelle zur Sammlung aller Materialien usw. 45
empfehlenswert wäre, bedarf kaum einer näheren Begründung.
(Art. Ill, Art. IV.)
Unberührt gelassen ist die Frage, ob sich die Errichtung einer
Versieh er ungsakademie empfiehlt, weil hierin keine vollkommene
Übereinstimmung unter den Referenten herrscht. Während drei derselben
gegen eine solche sind, haben sich zwei Referenten für eine solche
Akademie ausgesprochen. Bei dieser Gelegenheit möchte auch ich mich
zu der Frage einer solchen Versicherungsakademie äußern. Ich stimme
Herrn Dr. Moldenhauer vollkommen bei, wenn er sich gegen eine
solche ausspricht. Nur in Berlin würde zweifelsohne eine solche
errichtet werden. Hier bieten aber die Universität, die übers Jahr
zu erwartende Handelshochschule und die Vereinigung für staatswissenschaftliche
Fortbildung, daneben die Fortbildungskurse für
Ärzte und schließlich die von der Korporation der Kaufmannschaft
veranstalteten akademischen Vorlesungen für junge Kaufleute mehr
als ausreichende Gelegenheit, die verschiedensten Zweige der Versicherungswissenschaft
kennen zu lernen. Es kann sich nur noch
darum handeln, einen weiteren Ausbau herbeizuführen, und dieser
wird zweifelsohne auch eintreten, sobald erst die Handelshochschule
errichtet und die preußische Verwaltungsakademie, als deren Vorläufer
ja die Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung zu betrachten
ist, ins Leben gerufen sein wird. Wird dann noch etwa das
Göttinger Seminar nach Berlin verlegt, und kommt erst die erwähnte
Zentralstelle hierher, so ist reichlichste Gelegenheit vorhanden, Versicherungswissenschaft
zu studieren, und eine neue besondere Akademie
wäre zuviel des Guten. Ganz anders liegt die Sache, wenn
raan eine hier bereits vorhandene Bildungsstätte oder auch die künftige
Handelshochschule für die Pflege der Versicherungswissenschaft
besonders reich ausgestalten will. Vielleicht darf ich hier auch
noch einige Worte auf die vorhin hier gegebene Anregung, das
englische Institute of Actuaries nachzuahmen, Vorbringen. So überaus
wertvoll es in vielen Fällen für uns ist, vom Ausland, insbesondere
auch von England zu lernen, so wenig dürfte dies der Fall sein,
wenn man das Unterrichts wesen Englands dem deutschen gegenüberstellt.
In England ist dieses vorwiegend Privatsache, in Deutschland
aber Sache des Staates. Und wenn unser deutsches Unterrichtswesen
unter staatlicher Leitung so angesehen geworden ist,
warum sollte dann gerade beim Unterricht in der Versicherungswissenschaft
der Staat ausgeschaltet werden V Will man aber ein
gemeinsames Vorgehen von Staat und Privaten, so kann man unmöglich
das Londoner Institut als Muster anführen; denn dessen hauptsächlichste
Eigentümlichkeit besteht gerade in seiner rein privaten Natur.
Seine zweite Eigentümlichkeit besteht aber in der Beschränkung auf
das mathematische Gebiet; und auch diese Eigenart will man doch
wohl kaum nachahmen. Was bleibt aber dann von dem Londoner
Institut noch übrig, das man nach Deutschland verpflanzen könnte?
Bei der ganzen Frage der Pflege der Versicherungswissenschaft
müssen zwei große Gruppen mehr auseinandergehalten werden, als
es im allgemeinen zu geschehen pflegt, nämlich: