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Debatte.
nicht beiwohnen konnte; aber ein Privatbrief, den ich an unseren
Vorsitzenden geschrieben hatte, wurde dort als Ausgangspunkt der
Diskussion benutzt. In dem Briefe hieß es unter anderem: »Ein
größeres Verständnis unserer Sache vor allem in akademischen
Kreisen zu verbreiten, scheint mir sehr wünschenswert, und deshalb
sollte an den Universitäten, technischen Hochschulen und Handelshochschulen
Gelegenheit gegeben werden, sich elementare Kenntnisse
im Versicherungsrecht, der Versicherungswirtschaft und der Versicherungsrechnung
zu erwerben. Dagegen würde ich es für ein
Unglück halten, wenn es zu viele Gelegenheiten in Deutschland gäbe,
wo man sich zum sogenannten Versicherungsverständigen (mit
Examen, Diplom usw.) ausbilden kann.«
M. H. ! »Versichern ngs verständiger «, schon dieses Wort
fällt mir auf die Nerven. Es steht ja in dem Göttinger Diplom ;
aber, daß die Diplomaten, wie sie scherzhaft genannt werden, wirklich
etwas vom Versicherungswesen verständen, was sie unmittelbar
praktisch verwerten könnten, davon ist natürlich nicht die Rede.
M. H., darin stimmen wir alle überein: man kann kein Versicherungsverständiger
werden, ohne in der Praxis gewesen zu sein, und
ich stimme auch mit Herrn Dr. Bischoff überein : wer in diesen
Sachen theoretisch arbeiten und lehren will, der muß eine enge
Fühlung mit der Praxis gehabt haben. Es genügt nicht, daß er
z. B. in einem Aufsichtsrat sitzt. Ich sitze, nebenbei bemerkt, nicht
— wie Herr Dr. Bischoff meint — in einem Aufsichtsrat, wohl aber
habe ich als Dozent und junger Professor bei einem Assekuranzmakler
und bei einem Generalagenten gearbeitet, die Gesellschaften,
an die ich mich wandte, zeigten sich leider spröde, und da bin ich
nicht zugelassen worden. Aber ohne eine detaillierte Kenntnis der
einen oder anderen Branche, ohne Hineinschauen in die Praxis, ist
es meines Erachtens nicht möglich, Dozent zu werden.
Was ich vor allem perhorreszieren möchte, ist das Züchten von
sogenannten Versicherungsverständigen, und, wie gesagt, in Göttingen
geschieht es, das muß ich zugeben, aber das Seminar ist ohne mein
Wissen gegründet worden. Nachträglich erst wurde ich angegangen,
mich zu beteiligen, sonst hätte ich den Rat gegeben, es in Berlin zu
gründen, weil in Göttingen die Möglichkeit fehlte, praktische Anschauungen
zu gewinnen. Aber den Männern, welche die Gründung
des Seminars veranlaßt haben, und vor allem der Regierung gebührt
das große Verdienst, daß sie die ganze Sache in Fluß gebracht
haben, und dafür werden sie unseren Dank beanspruchen können,
wenn auch das Göttinger Seminar, zu dem schon Studenten vom
dritten Semester an zu gelassen werden, nicht als eine befriedigende
Lösung des Problems betrachtet werden kann. Ich sage den jungen
Leuten, welche mich um ihre Zukunftsaussichten befragen: wenn
Ihr am Ende Eures Studien ganges mit Nummer 1 ein Diplom bekommt,
so ist das in der Tat eine Empfehlung; und dasselbe sage
ich den Direktoren der Gesellschaften, denn es sind ohne Zweifel
tüchtige Leute, die ein solches Diplom erhalten; ob sie gerade für
das Versicherungsfach sich geeignet erweisen nach Charakter, prak-