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Debatte.
legung und einen Überblick über das Gesamtgebiet zu gewinnen,
und zwar in einer leichten, bequemen und doch echt wissenschaftlichen
Weise.
Wenn ich Leute aus der Praxis, die auf dem Göttinger Versicherungsseminar
gewesen sind, gefragt habe: >Sagt ganz offen, was
habt ihr hier bei uns gelernt, habt ihr das gefunden, was ihr bei
uns suchtet?« so haben sie mir übereinstimmend geantwortet: »Ich
war bisher nur mit dieser oder jener Branche bekannt und habe
jetzt einen Überblick des Gesamtgebiets gewonnen, ich habe gelernt,
wie die Branchen sich unterscheiden und worin sie die gleiche
Grundlage haben.« Kurz, sie haben gelernt, ihren Beruf wissenschaftlich
zu erfassen. M. H., ich glaube, es gpbt eine ganze
Anzahl hervorragender Praktiker, die sich diesen Überblick auch
ohne solche Belehrung erworben haben, also auf ' rein empirischem
Wege; aber das sind doch wohl die Ausnahmen, die meisten haben
von den anderen Branchen wenig oder gar keine Kenntnis. Und
das ist ein wirklicher Übelstand. Ich meine: gerade, wenn — wie
Herr Dr. Bischoff mit Recht betonte — von der Praxis eine
Förderung der Wissenschaft ausgehen soll, dann muß man
den Praktikern, die noch jung sind, Gelegenheit geben, an
eine Zentralstelle zu gehen, wo sie diese Ausbildung finden;
und wenn eine solche Zentralstelle hier in Berlin errichtet
wird, so sind meines Erachtens hier die geeigneten Kräfte schon
vorhanden. Sollten hier in Berlin nicht an der Universität und den
übrigen Hochschulen zahlreiche Kräfte zur Verfügung stehen, die
nun im Nebenamt an dieser Akademie, oder wie man es nennen
will, wirken könnten? Hier, wo es in jeder Sache neben den
Ordinarien zahlreiche junge Extraordinarien gibt? Ich glaube, daß
es geht, und dazu bietet eben Berlin, wie gesagt, wie keine andere
Stadt, Gelegenheit zu praktischer Ausbildung.
Die Bedenken, die insbesondere von Herrn Dr. Moldenhauer
dagegen eingewendet sind, kann ich nicht teilen. Daß damit die
Assessoren und Mathematiker, die dort hören, nun nicht ohne
weiteres die Technik des Versicherungsgeschäfts erlernen, das ist
zweifellos; ebenso, daß diese Technik nur durch die Praxis gelernt
werden kann, und daß Können mehr ist als Wissen, das alles unterschreibe
ich selbstverständlich. Ich sage : wenn jemand auf dieser
Akademie gewesen ist, dann ist er auch noch kein 'Versicherungsverständiger«,
d. h., er kann noch keine Gesellschaft als Direktor
leiten oder sofort ihr erster Mathematiker sein; aber er ist ein
Mann, der nun mit ganz anderem Blick in die Praxis eintreten wird.
Während jetzt, müssen wir sagen, alle Regierungsräte, die vielleicht
Dezernenten bei der Regierung für das Versicherungswesen sind,
mit carte blanche, mit einer völligen Unschuld gegenüber dem Versicherungswesen
in das Dezernat eintreten, wird das dann nicht der
Fall sein. Daß der Mann praktisch noch lernen muß, ist selbstverständlich;
aber er hat eine theoretische Grundlage bekommen und
schon gewisse praktische Anschauungen gewonnen ; und der Praktiker,
der die Akademie besucht hat, wird, was uns allen sehr er-