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Mittelstandes kein Gewicht gelegt wird. Für ruhig denkende Beobachter ist das
nie ein Geheimnis, für den gewerblichen Mittelstand aber ist die ministerielle
Bemerkung aller Wahrscheinlichkeit nach ein Rippenstoß zur rechten Zeit gewesen.
Sie allein war vielleicht geeignet viele aus dem Schlafe aufzuschrecken,
in welchen sie im Laufe der liberalen Ara durch das Rattenfängerlied der
manchesterlichen Presse vom freien Spiel der Kräfte eingelullt waren, als
existiere ein einziger großer Handels- und Gewerbestand, dessen Interessen für
alle großen und kleinen Angehörigen solidarisch wären. Den Taktstock hat zu
dem Lied das internationale Großkapital geschwungen. Es hat sich dabei durch
Verwandlung ungezählter Großbetriebe in Aktiengesellschaften einen ungeheuren
Verdienst und in den Aufsichtsratstellen dauernden Einfluß auf den Gang der
Geschäfte verschafft. Jetzt ist es darangegangen, durch Gründungen von Warenhäusern
auch den Kleinhandel für sich unter dem Motto zu monopolisieren:
Die Kleinbetriebe hätten keine Existenzberechtigung mehr. Man sieht,
die Herren sind noch nicht einmal erfinderisch. Sie schlagen alles über einem
Leisten kaput.
Bei solchen Erwägungen sieht man, daß das Wort von der Intelligenz
der Warenhäuser ganz zur rechten Zeit gefallen ist. Als geflügeltes hat es
schnell seinen Weg durch die Lande gemacht. Es ist nun Pflicht, ihm die Flügel
abzulösen. Es muß überall eine bleibende Statt erlangen, damit aus dem
Schmerz, den es verursacht hat, die Heilung eines großen Volksschadens erblühe.
Denn wie der Schmerz der Wächter der Gesundheit für den Körper ist, so kann,
er auch im Wirtschaftsleben eines Volkes diese Rolle übernehmen.
Und wehe getan hat das Wort Sr. Exzellenz wirklich den Angehörigen
des gewerblichen Mittelstandes, obwohl sie durch ihre manchesterlichen Leiborgane,
wie wir oben gesehen haben, wahrlich nicht verwöhnt waren.
Aber auch hier heißt es: Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe.
Was man sich von einem alten dreisten Bekannten im Schlafrock an den Kopf
werfen läßt, ohne es zu beachten, das macht aus dem offiziellen Munde eines
Ministers stutzig, zumal wenn dabei eine Anspielung auf persönliche Minderbegabung
mit unterläuft.
So ist es gekommen, daß seit dem 17. Februar 1904 eine gewisse Bewegung
in der größeren Masse der Angehörigen des gewerblichen Mittelstandes
zu bemerken ist.
§ 11.
Bei vielen bisher agrarisch sogar sehr verärgerten gewerblichen Mittelstandsleuten
hat auch die schonendste Einflößung der ministeriellen Pille durch ^wachmig^ Mina
die freisinnigen Zeitungsspalten wie ein explosiver seelischer Gärungserreger ge- stand,
wirkt und dabei den oben geschilderten tragischen Konflikt mit einem Ruck zur
Lösung gebracht.