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Daß die Herren auch Personen anderer politischer Parteirichtungen gern
in Konsumvereinen sehen, ist natürlich. Dadurch vergrößert sich das Geschäft,
und die zerstörende Kraft wird stärker. Bei der Leitung des Vereins haben
sie nichts zu sagen. Denn das Vertrauen für die Leitung haben nur Genossen.
Das weiß man in Versammlungen schon so zu dirigieren. Es wird gewiß viele
Leser interessieren, wie das geschieht. Ich habe es von einem Genossen erfahren,
der selbst bei solchen Theatercoups mitgewirkt hat.
Alle Befehle für die Verwaltung eines sozialdemokratischen Konsumvereins
kommen, so sagte mir mein Gewährsmann, von der politischen Partei. In ge-Heimen
Versammlungen werden die Rollen für die Generalversammlungen genau
einstudiert. Die Antragsteller werden im Saal verteilt, und für die genügende
Majorität von Soziis ist gesorgt. Der Mechanismus versagt fast nie. Tritt
dieser Fall wider Erwarten ein, so werden die Opponenten ausgeschlossen. Ein
klassisches Beispiel dafür ist hier in Halle passiert. Ich erzähle es genauer, weil
seine Nachwirkungen noch zu der sehr interessanten gerichtlichen Feststellung
geführt haben, daß ein so Ausgeschlossener absolut rechtlos ist. Die Nutzanwendung
wird am Schluß gegeben werden. Ihre Verbreitung dürfte viele
Konsumvereinsmitglieder zum Nachdenken anregen.
Im hiesigen Allgemeinen Konsumverein war man schon lange bestrebt
gewesen, eine eigene Bäckerei einzurichten. Die Meinungen über die Nützlichkeit
des Unternehmens waren aber geteilt. Eine Anzahl Mitglieder wollte die
Bäckerei, eine andere nicht. Und das war ihr gutes Recht. Die Mitglieder,
welche nicht mit der Bäckerei einverstanden waren, eröffneten eine Agitation,
und es gelang ihnen auch, das Projekt mehrfach zu Fall zu bringen. Wie alle
sozialdemokratischen Befehlshaber die Majorität nicht respektieren,
wenn diese sich gegen sie selbst wendet, so machten sie es auch hier. Sie nörgelten
immer weiter und beschlossen, die widerspenstigen Leute fliegen zu lassen. Und wie
haben sie das gemacht?
Die Gegner der Bäckerei hatten eines Tages eine Versammlung nach
einem Lokal in der oberen Königstraße einberufen. Vor der Eröffnung spielten
mehrere Billard, und da schlängelte sich auch ein Unbekannter, der großes Interesse
für den Konsunwerein zeigte, an die Herren heran. Er wurde freundlichst mit
zum Spiel eingeladen und biederte sich dabei weiter an. Als es zur Sitzung
gehen sollte, fragte man ihn, ob er Mitglied sei; denn in einem so großen Verein
kennen sich natürlich nicht alle Mitglieder. Er bejahte und erhielt Zutritt.
Aber o weh! Am andern Morgen stand im hiesigen Volksblatt ein wutschnaubender
Schmähartikel über die Verschwörer, deren Nest ausgehoben sei usw.
Was die Herren vom Volksblatt bei anderen einen Spitzel nennen, hatten sie
selbst für sich als eine sehr praktische, und, wie es scheint, geläufige Einrichtung