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Herr Wernicke baut seinen Beweis für die Selbstschuld des Handelsstandes
an seiner Notlage durch eigene Überfüllung auf folgenden Daten ans:
„Nach Sombart „Die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert" wurden
im Königreich Preußen im Handel auf 10 000 Einwohner gezählt 1843 97, 1895
240. Selbst in dem hochentwickelten Königreich Sachsen loaren vor 50 Jahren
von 10 000 überhaupt Erwerbstätigen erst 256, 1895 dagegen 637 Handeltreibende.
Und in einer Stadt wie Breslau betrug deren Anteil an der Gesamtbevölkerung
1846 3,1 Proz., 1895 aber 6 Proz. Auch von 1882 bis 1895 hat
sich die Händlerschaft im Deutschen Reiche wiederum rascher als die Bevölkerung
vermehrt, so daß 1882 erst jeder sechzigste Mensch, 1895 aber schon jeder neununddreißigste
ein Händler war. Daß es sich dabei großenteils um Vermehrung
der Detaillisten handelt, ersehen wir daraus, daß in ländlichen oder kleinstädtische
n Gebieten, wo der Großhandel an Bedeutung zurücktritt, die Zunahme
besonders stark ist. So kam beispielsweise in 26 Landorten des Handelskammerbezirks
Villingen in Baden ein Handelsgeschäft 1886 auf je 357, 1897 schon
auf je 182 Einwohner, in 14 Kleinstädten desselben Bezirks auf 180,6 und 91,7
Einwohner.
Auch die amtliche Denkschrift der sächsischen Regierung über die Besteuerung
der Großbetriebe im Kleinhandel aus dem Jahre 1902 bringt einiges Material
über diese Frage. Nach der arntlichen Erhebung ist die Zahl der Manufaktur-,
Mode- und Schllittwarenhandlnngen in Dresden voll 1890 bis 1899 unl 232 Proz.
gewachsen, während die Bevölkerung innerhalb dieser Zeit nur um 40 Proz. stieg,
so daß ans jede solche Handlung im Jahre 1890 noch 2905, 1899 aber nur noch
1228 Einwohner entfielen.
In Chemnitz war nach der Denkschrift bereits 1886 die Zahl der Kolonialwarenhalldlungen
viel zu groß, nämlich auf je 311 Einwohner kam eine. Dies
war etwa das Fünffache dessen, was auf Leipzig, und das Doppelte dessell, lvas
ans Dresden kam. Trotzdem ist die Zahl bis zum Jahre 1896 noch weiter bedenklich
gestiegen, nämlich auf das Verhältnis von 292:1. Auch die Zahl der
Bäcker und der Modewarenhandlungen ist dort über Gebühr gewachsen.
In Brauns Archiv hat Dr. Borgius festgestellt, daß in Breslau in den
sieben Jahren von 1892 bis 1898 50 Handlungen für Haus- und Küchengeräte
entstanden und 36 eingegangen sind, und zwar waren es von jenen 50 27, die
im selben Zeiträume verkrachten. 11 dieser Geschäfte haben sogar nur ein Jahr
oder noch kürzere Zeit bestanden.
Die Handelskammer in Braunschweig hat ermittelt, daß von den in dieser
Stadt bestehenden Kolonialwarenhandlungen eilt immer kleiner werdender Teil
durch kaufmännisch vorgebildete Inhaber geleitet wurde, nämlich im Jahre