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da kriege ich für die Leinwand wenig, und die anderen Sachen muß ich teuer bezahlen,
und unser Dorfschneider hat wieder nichts zu tun."
Angesichts dieses Musterbeispiels von Warenhausanreißerei wurde ich gauz
starr. In dem armen Mütterchen verkörperte sich mir das
ganze Elend des gewerblichen Mittel st andes durch den u n -
lautern Wettbewerb der Warenhäuser.
„Aber, meine liebe Frau", sagte ich, „woher weiß denn der Herr so und so,
daß Euer Enkel konfirmiert wird? Er ist doch nicht allwissend."
„Nein, das ist er nicht, aber der Herr Lehrer schreibt's ihm immer, und
da kriegen alle Eltern von Konfirmanden jedes Weihnachten solche Briefe."
Herr Gott im Himmel, was ist doch alle nationalökonomische Kathederweisheit
gegen diese klare Kenntnis der Vorgänge intimsten Geschäftslebens bei dem
alten Mütterchen vom Fuße des Kyffhäusers! Doch wozu soll ich weitere Einzelheiten
berichten? Meine Frau kaufte die ganze Leinwand. Mit Freudentränen
verließ uns das Mütterchen, um ihren Erlös den heimischen Gewerbetreibenden
zugute kommen zu lassen.
Was sagt man zu dem Bilde? Auf der Spitze des sagenumwobenen Kyffhäusers
das hehre Denkmal des Deutschen Kriegerbundes für die schwer errungene
deutsche Einheit, im Grunde tief unten durch die Dörfer schleichend das volkszerstörende
Prinzip der Warenhäuser: Großer Umsatz bei kleinstem Verdienst!
Ist noch jemand, dem dabei nicht schauert vor unserer Zukunft?
Weg daher aus den Warenhäusern ihr deutschen Frauen und Jungfrauen,
weg aus ihnen ihr deutschen Männer und Jünglinge! Zurück zu den Geschäften
des Mittelstandes, die sonst dem Untergang entgegengehen und euch mit in das
Verderben reißen!
§ 49.
Dabei darf aber auch nicht verschwiegen werden, daß es zum großen Teil Muelstand"»
Angehörige des werktätigen Mittelstandes selbst sind, welche zu den besten Kunden 'Çjjjaï"
der Warenhäuser gehören.
Landwirte, die mit Recht so bitter klagen, daß der deutsche Handel ihre
Produkte so sehr gegen ausländische vernachlässigt, strömen scharenweise in die
Warenhäuser mit ihrem undeutschen Gebaren. Schlosser, Glaser, Buchbinder,
Photographen und wie sie alle heißen, die sich nicht genugtun können in beweglichen
Schilderungen der ihnen durch Warenhäuser zugefügten Schäden, finden gar
nichts dabei, wenn sie mit Frau und Kindern einen Osterspaziergang machen, bei
dem sie alle ausschließlich Kleider und Schuhe tragen, welche einem Warenhaus
entstammen.