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mit Geld, so mit ihrem Zucker, Rum und mit ihrer Melasse.
Letztere wurde in Neuengland (Rhode-Island, Massachusetts,
Boston) zu Rum gebrannt und dieser von den geschäftigen
Yankees in gewaltigen Mengen und unter aufserordentlichem
Gewinn an die neufund- und neuschottländischen Fischer, an die
kanadischen Indianer (gegen Pelze) und an die Händler an der
afrikanischen Küste gegen Sklaven vertrieben. Letztere wurden
sodann — abermals in amerikanischen Schiffen — in die Süd
staaten der Union oder in die ausländischen westindischen
Inseln geführt, wo sie wiederum zum Hauptvorteil der Ameri
kaner Kolonialwaren produzierten. Dieser Handel bildete
einen vollkommenen Kreislauf. Burghardt (S. 29) schreibt,
dafs der Stand der Rumdestillationen in Neuengland dessen
Beteiligung am Sklavenhandel und die Geschäftskonjunkturen
in Amerika überhaupt anzeigten. Der Handel zwischen Britisch-
Westindien und Britisch-Nordamerika beschäftigte bis kurz
vor dem Ausbruch der nordamerikanischen Resolution, von
1771—1773 durchschnittlich 799 Schiffe mit 57 816 Tonnen
und 5008 Matrosen — fast gänzlich amerikanischer Herkunft!
(G. Chalmers, S. 135). Die Frachtkosten allein wurden auf
jährlich 245 000 geschätzt. Die Neuengländer hatten damit
einen höchst wichtigen Zweig des westindischen Ein- und Aus
fuhrhandels an sich gerissen.
Soweit dieser Handel sich auf britische Untertanen be
schränkte, wurde er vom Mutterlande, obschon mit scheelen
Augen, geduldet. Die Amerikaner pflogen aber einen noch
stärkeren Verkehr mit den nichtbritischen Zuckerinseln,
weil deren Produkte billiger waren als die britischen. Der
bei weitem gröfste Teil des von den Amerikanern vertriebenen
Rums stammte nicht von britischen, sondern von französischen
und spanischen Kolonisten. Es kam den nordamerikanischen
Zwischenhändlern auch nicht darauf an, die ausländischen
Pflanzer mit Bargeld zu bezahlen — bekanntlich das Schlimmste,
was sie sich in der Merkantilzeit zuschulden kommen lassen
konnten. Das war England ein Dorn im Auge. Es unter-
liefs nichts, diesen Verkehr zu stören, doch machte der
Schmuggelhandel alle Anschläge zunichte. Die Beziehungen
zwischen Mutterland und Kolonien wurden dadurch aber sehr
getrübt. Nach dem Siebenjährigen Kriege z. B. erneuerte
England im Jahre 1764 die alten Differentialzölle in Nord
amerika auf nichtbritischen Zucker und verbot sogar die Aus
fuhr von Holz in die fremden Kolonien (Weeden II, S. 753).
Das war für den Handel Neu-Englands ein schwerer Schlag
und bedrohte seinen Wohlstand mehr als die bekanntere
Stempelakte, die zum Abfall führte. Weeden meint (ibid.):
„Die Zuckerakte von 1764 seien der Hauptgrund der Un
zufriedenheit der nordamerikanischen Kolonien gewesen!“
Doch von diesen Verstimmungen abgesehen, mufste im