Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

mit  Geld,  so  mit  ihrem  Zucker,  Rum  und  mit  ihrer  Melasse.
Letztere  wurde  in  Neuengland  (Rhode-Island,  Massachusetts,
Boston)  zu  Rum  gebrannt  und  dieser  von  den  geschäftigen
Yankees  in  gewaltigen  Mengen  und  unter  aufserordentlichem
Gewinn  an  die  neufund-  und  neuschottländischen  Fischer,  an  die
kanadischen  Indianer  (gegen  Pelze)  und  an  die  Händler  an  der
afrikanischen  Küste  gegen  Sklaven  vertrieben.  Letztere  wurden
sodann  —  abermals  in  amerikanischen  Schiffen  —  in  die  Südstaaten ­
  der  Union  oder  in  die  ausländischen  westindischen
Inseln  geführt,  wo  sie  wiederum  zum  Hauptvorteil  der  Amerikaner ­
  Kolonialwaren  produzierten.  Dieser  Handel  bildete
einen  vollkommenen  Kreislauf.  Burghardt  (S.  29)  schreibt,
dafs  der  Stand  der  Rumdestillationen  in  Neuengland  dessen
Beteiligung  am  Sklavenhandel  und  die  Geschäftskonjunkturen
in  Amerika  überhaupt  anzeigten.  Der  Handel  zwischen  Britisch-Westindien
  und  Britisch-Nordamerika  beschäftigte  bis  kurz
vor  dem  Ausbruch  der  nordamerikanischen  Resolution,  von
1771—1773  durchschnittlich  799  Schiffe  mit  57  816  Tonnen
und  5008  Matrosen  —  fast  gänzlich  amerikanischer  Herkunft!
(G.  Chalmers,  S.  135).  Die  Frachtkosten  allein  wurden  auf
jährlich  245  000  geschätzt.  Die  Neuengländer  hatten  damit
einen  höchst  wichtigen  Zweig  des  westindischen  Ein-  und  Ausfuhrhandels ­
  an  sich  gerissen.
Soweit  dieser  Handel  sich  auf  britische  Untertanen  beschränkte, ­
  wurde  er  vom  Mutterlande,  obschon  mit  scheelen
Augen,  geduldet.  Die  Amerikaner  pflogen  aber  einen  noch
stärkeren  Verkehr  mit  den  nichtbritischen  Zuckerinseln,
weil  deren  Produkte  billiger  waren  als  die  britischen.  Der
bei  weitem  gröfste  Teil  des  von  den  Amerikanern  vertriebenen
Rums  stammte  nicht  von  britischen,  sondern  von  französischen
und  spanischen  Kolonisten.  Es  kam  den  nordamerikanischen
Zwischenhändlern  auch  nicht  darauf  an,  die  ausländischen
Pflanzer  mit  Bargeld  zu  bezahlen  —  bekanntlich  das  Schlimmste,
was  sie  sich  in  der  Merkantilzeit  zuschulden  kommen  lassen
konnten.  Das  war  England  ein  Dorn  im  Auge.  Es  unterliefs
  nichts,  diesen  Verkehr  zu  stören,  doch  machte  der
Schmuggelhandel  alle  Anschläge  zunichte.  Die  Beziehungen
zwischen  Mutterland  und  Kolonien  wurden  dadurch  aber  sehr
getrübt.  Nach  dem  Siebenjährigen  Kriege  z.  B.  erneuerte
England  im  Jahre  1764  die  alten  Differentialzölle  in  Nordamerika ­
  auf  nichtbritischen  Zucker  und  verbot  sogar  die  Ausfuhr ­
  von  Holz  in  die  fremden  Kolonien  (Weeden  II,  S.  753).
Das  war  für  den  Handel  Neu-Englands  ein  schwerer  Schlag
und  bedrohte  seinen  Wohlstand  mehr  als  die  bekanntere
Stempelakte,  die  zum  Abfall  führte.  Weeden  meint  (ibid.):
„Die  Zuckerakte  von  1764  seien  der  Hauptgrund  der  Unzufriedenheit ­
  der  nordamerikanischen  Kolonien  gewesen!“
Doch  von  diesen  Verstimmungen  abgesehen,  mufste  im
            
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