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dieser Seite die Abolition im Parlament zur Sprache gebracht
wurde.
Unterdessen hatten sich in England wichtige politische
Veränderungen vollzogen, welche die ins Stocken geratene
Abolitionsbewegung wieder ins Bollen brachten. Irland war
mit Großbritannien vereinigt worden, und im Januar 1801
trat das Parlament des Vereinigten Königreiches zum erstenmal
zusammen. Die Stimmen der irischen Abgeordneten, die am
Sklavenhandel kein wirtschaftliches Interesse hatten, kamen
den Abolitionisten zu Hilfe. Ferner war unterdessen im Jahre
1802 mit Napoleon der Seefriede von Amiens geschlossen
worden, der bekanntlich Grofsbritannien recht ungünstige Be
dingungen, die Rückgabe sämtlicher westindischen Eroberungen
bis auf Trinidad, auferlegte. Der Friede, der bald darauf
(Frühjahr 1803) wieder ausbrechende Krieg und die für Eng
land sich anfänglich recht mifslich gestaltende Kriegslage hatten
im Verein mit anderen Gründen für Britisch-Westindien eine
gefährliche Krisis zur Folge, welche die Abolitionsfrage wieder
in ein dringliches Stadium führte
Das Abolitionskomitee war sich dieser günstigen Wendung
wohl bewufst und nahm 1804 seine alte Sache wieder auf. Im
Unterhause drang Wilberforces Antrag durch, im Oberhause
ging er noch einmal verloren. Die vielen neugewonnenen
Stimmen ermutigten zu weiteren Versuchen. 1805 wurde der
Erfolg nur durch zufällige Abwesenheit sonstiger Befürworter
vereitelt, und in die Session des Jahres 180(3 trat man mit
der begründeten Hoffnung auf den endgültigen Sieg ein.
Inzwischen hatte die englische Regierung, durch die Ab
tretung und Rückeroberung verschiedener fremder Sklaven
inseln veranlafst, die Initiative zur Abschaffung des Handels
übernommen. Die Frage der Kultivierung der eroberten, noch
fast gänzlich unangebauten Insel Trinidad gab den Anstofs
dazu. Der Unterstaatssekretär M. Canning veranschlagte im
Unterhause, dal’s 250000 Sklaven zu diesem Zweck erforder
lich wären, deren Import dem Negerhandel eine gewaltige Aus
dehnung geben würde. Deshalb beantragte er, an den König
eine Adresse zu schicken, worin letzterer gebeten wurde, die
unkultivierten Ländereien auf Trinidad nur unter der Be
dingung zu veräufsern, dafs sie nicht durch frisch importierte
Neger bewirtschaftet würden. Gleichzeitig versprach Pitt im
Namen der Regierung, die ganze Frage des Negerhandels in
naher Zeit anzuschneiden.
Zunächst leitete die Regierung die Abolition des in
die ausländischen Kolonien geführten Sklaven
handels in die Wege. Seine Schädlichkeit war bereits 1792
erkannt und durch die politischen Veränderungen seit 1802
aufs neue unwiderleglich dargetan. Durch eine Kabinetts
ordre vom 15. August 1804 verbot der König die Sklaven-