Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

importe  in  die  während  des  Krieges  eroberten  oder  abgetretenen ­
  Kolonien  (Guyana,  Tabago,  St.  Lucie  u.  a).  Die
Ordre  bedurfte  noch  der  Zustimmung  des  Parlaments  und  einer
Erweiterung;  denn  um  sie  wirksam  zu  machen,  mufste  das
Verbot  auch  die  neutralen  westindischen  Häfen  einbegreifen,
weil  jene  sonst  zu  Zentralmärkten  eines  grofsen  Schmuggelhandels ­
  geworden  wären.  In  diese  Zeit  fiel  ein  weiteres,  für
die  Abolition  entschieden  günstiges  Ereignis:  der  Tod  Pitts
(Jan.  1806)  und  der  dadurch  notwendige  Wechsel  des  Ministeriums! ­
  Mit  Pitts  Stellungnahme  zur  Abolition  mufs  es  eine
eigene  Bewandtnis  gehabt  haben.  Seine  Ehrlichkeit  ist  verschiedentlich ­
  angezweifelt  worden,  als  sei  sein  öffentliches  Auftreten ­
  gegen  den  Sklavenhandel  nur  Spiegelfechterei  gewesen.
Clarkson  (Hist.  II,  S.  503),  der  ihn  wohl  am  besten  kannte,  verteidigt ­
  ihn  zwar  gegen  jede  Verdächtigung,  gibt  aber  zu,  dafs
es  geheime  Gründe  gegeben  hätte,  die  Pitt  verhinderten,  in
der  Sache  mehr  zu  leisten  (Hüne,  S.  401).  Wie  dem  auch
gewesen  sein  mag,  jedenfalls  ist  das  ihm  folgende  Ministerium
Fox-Grenville  erfolgreicher  gewesen.  Anstelle  des  der  Abolition ­
  feindlich  gesinnten  Lordkanzlers  Thurlow  trat  Lord
Erskine,  der  selbst  in  Afrika  die  Scheufslichkeiten  des  Handels
kennen  gelernt  hatte  (ibid.).  Von  Fox  ist  es  ja  bekannt,
dafs  er  aus  rein  menschlichen,  daneben  natürlich  auch  aus
Gründen  der  Zweckmäfsigkeit  ein  begeisterter  Vorkämpfer  für
die  Sklaven  gewesen  ist.  „Hätte  ich  in  meinem  Leben  weiter
nichts  getan  als  dieses  Werk  zu  vollenden,  so  wäre  ich  zufrieden; ­
  denn  ,1  had  done  my  duty  0  sagte  er  in  Anlehnung
an  die  klassischen  Worte  Nelsons  am  10.  April  1806  im  Unterhause. ­
  Noch  auf  dem  Totenbette  bekannte  er  1806:  „Two
things  I  earnestly  wish  to  see  accomplished  —  peace  with
Europe  and  the  abolition  of  the  slave  trade.  But  of  the  two
I  wish  the  latter“  (Clarkson  II,  S.  568).  Am  31.  März  1806
legte  das  neugebildete  Ministerium  durch  den  Attorney  General
Pigott  dem  Parlamente  die  sogen.  „Slave  Importation  Restriction ­
  Bill“  vor,  welche  nach  leidenschaftlichen  Debatten  schliefslich
  mit  geringen  Abänderungen  angenommen  und  am  23.  Mai
1806  zum  Gesetz  wurde  (46.  Geo.  III,  ch.  52;  der  Wortlaut
auch  einzusehen  bei  Southey  III,  S.  359).  Ihr  Inhalt  besagte
im  wesentlichen  :
„Es  ist  vom  1.  Januar  1807  ab  verboten,  dafs  britische
Schiffe,  Untertanen  oder  Kapital  sich  an  dem  in  fremde
Kolonien  geführten  Sklavenhandel  beteiligen,  oder  dafs  fremde
Sklavenschiffe  in  britischen  Häfen  ausgerüstet  werden.“  —
Übertretungen  des  Verbots  wurden  mit  Konfiskation  des
dabei  betroffenen  Schiffes  und  mit  einer  Geldstrafe  von
50  £  für  jeden  mitgeführten  Sklaven  belegt.  Alle  Schiffe,
welche  den  Handel  in  die  britischen  Kolonien  weiter  betreiben ­
  wollten,  mufsten  sich  in  ein  Register  eintragen  lassen,
            
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