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und die Kolonien allmählich normalen Bevölkerungsverhält
nissen entgegengehen.“ — Die Richtigkeit dieser Behauptungen
weist Pitt an den einzelnen Inseln nach (siehe auch Blake,
S. 218 ff.). „Auf Barbadoes hat sich die Zahl der Sklaven
eher vermehrt als vermindert. Auf Jamaika, wo die Hälfte
aller britischen Sklaven wohnt, hält sich gleichfalls ihre
Zahl. Die hier immer noch fortdauernden starken Importe
werden weniger zur Ausfüllung der durch den Tod gerissenen
Lücken als zur Anlage von neuen Zuckerplantagen verwendet.
Antigua steht nur infolge aufsergewöhnlicher Unglücksfälle —
Mifsernten — ungünstiger da. Dominica weist nach den An
gaben des Gouverneurs eine Vermehrung auf. Über Grenada
und Vincent ist man noch im Zweifel, doch werden die Er
gebnisse nicht ungünstiger sein als auf den anderen Inseln.“ —
„Die hohe Sterblichkeit ist gerade der stärkste Beweis für die
Notwendigkeit der Abolition, weil die Bevölkerungsverhält
nisse sonst immer ungünstiger würden“ (Fox, 19. April 1791).
Wie man sieht, schrieben die Genannten die etwa noch
vorhandenen Todesüberschüsse in erster Linie den frisch im
portierten Sklaven zu. In der Tat müssen jene, nach allen
Quellen zu urteilen, erstaunlich hoch gewesen sein, so dafs sie
leicht das ganze Bild von der Bevölkerungsbewegung auf den
Inseln entstellt haben können. Die hohe Todesziffer erklärt
sich aus der schrecklichen Verfassung, in der die unglück
lichen Geschöpfe in Westindien ankamen. Viele von ihnen
waren buchstäblich halbtot; sie pflegten, weil sie sonst niemand
kaufte, für ein paar Dollars meistbietend versteigert zu werden
und starben dann gewöhnlich bald dahin. Waren sie so
schwach, dafs sich überhaupt kein Käufer mehr fand, oder
dafs der Erlös für sie die Verkaufssteuern nicht deckte, so
wurden sie häufig einfach ins Meer geworfen, weil die Schiffs
offiziere an möglichst hohen Durchschnittspreisen für Sklaven
interessiert waren (Clarkson, Ess. on Slavery etc., S. 103). 4 V2 °l0
betrug nach einem Bericht der Jamaica Assembly, die gewifs
keinen Grund hatte, den Prozentsatz zu hoch anzugeben, der
Verlust an Toten blofs zwischen der Ankunfts- und der Ver
kaufszeit (Wilberforce, 18. April 1791). Ein Drittel bis ein
Viertel, nach Pitt (H. 0. C., 19. April 1791) sogar die Hälfte
der Angekommenen starben während der „seasoning". Selbst
in „Doubts on the abolition“ wird der Verlust von einem
Drittel nicht abgeleugnet. Er kam auch zum Ausdruck in
dem Preisunterschied zwischen den „seasoned negroes“ und
den „newly imported“. Erstere waren viel teurer, nach Clarkson
(Impolicy, S. 104), Mr. Stanley (19. April 1791) doppelt so
teuer. Von den 100000 Negern, die jährlich durch die Euro
päer aus Afrika verschifft wurden, überstanden nur 75000 die
Seefahrt, und von letzteren starben in einem Zeitraum von
zwei Jahren weitere 20000, so dafs von 100000 Verschifften