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Weifse nur 210000 Sklaven gegenüber. Auf den französischen
Inseln waren die Sterbliclikeitsverhältnisse wesentlich un
günstiger als auf den britischen (Report 1789, V). Man
schätzte, dais von den Importen 1 /a innerhalb dreier Jahre
stürbe, und dafs von den Kreolen jährlich Vs mehr starben,
als geboren wurden, während die jährliche Verminderung auf
Jamaika nur 1 Uo °/o betrug und auf einigen Inseln die Be
völkerung sich ohne Importe hielt“ (Brougham II, S. 100 ff.).
Ganz abgesehen davon hatten die blutigen Negeraufstände
auf Domingo und Guadeloupe seit 1789 die französischen
Pflanzer mehr denn je auf den Negerhandel angewiesen. „The
greatest devastation which the rebellion has occasioned, is in
the numbers of the negroes,“ sagt Brougham (II, S. 111). Die
Menschen Verluste schätzte er auf die Hälfte der früheren Be
völkerung (S. 123). Malouet berechnet den Rückgang der
Bevölkerung infolge der Revolution von 500000 Sklaven auf
300000! (ebendort). Labourie meint, (Coffee Planter, Appen
dix, Art. X, § 12) „die Zahl der Sklaven habe 1797 die Hälfte
von der im Jahre 1789 betragen“; Br. Edwards schätzt sie
sogar nur auf 2 /s! (ibid, bei Brougham). „All the plantations,
therefore, must be extremely understocked“ (Brougham II,
S. 112). Nur durch jahrelange Importe wäre es möglich ge
wesen, die durch den Krieg gerissenen Lücken zu füllen und
den Inseln ihren früheren Wohlstand wiederzugeben. Folgende
Worte des Earl of Lauderdale (H. o. L., 0. Febr. 1807) brachten
das grundverschiedene Interesse Englands und Frankreichs
in dieser Frage treffend zum Ausdruck: „That England with
her colonies well stocked with negroes and affording a large
produce, might abolish the trade without inconvience ; but that
France with colonies ill stocked and deficient in produce,
could not abolish it without conceding to us the greatest ad
vantages and sustaining a proportionate loss!“
Für die ausländischen Kolonien war der Sklavenhandel
eine Lebensfrage, eine absolute Notwendigkeit. Für Groß
britannien war er entbehrlich. —
Fünfter Teil.
Die Unrentabilität des Sklavenhandels.
a) An der afrikanischen Küste.
Die für den Sklavenhandel so unglücklichen Folgen des
Friedens von Versailles im Jahre 1783 lassen sich mit gleicher
Deutlichkeit auch direkt an den afrikanischen Handels
beziehungen Englands nachweisen. Der Sklavenhandel, der
bisher zu den einträglichsten Geschäftszweigen gezählt hatte,
begann unrentabel zu werden. Wir verfolgen diese Entwick
lung zunächst an der afrikanischen Küste.