Gleichwohl konnte man 1787 auch schon für 10 einen
minderwertigen oder für 22 £ einen besonders brauchbaren
Sklaven erhandeln. Seil gibt (S. 109) den Preis für einen
jungen, erwachsenen Neger in der Zeit von 1783—1780 auf
160 Reichstaler an, während er 1749 nur 96 Reichstaler be
tragen hätte (S. 107). Umgekehrt wie die Nachfrage der
Europäer war das Angebot von seiten der Neger gefallen.
Alle Berichte aus jener Zeit stimmen darin überein, dafs die
ewigen Sklavenjagden und Kriege der Negerstämme unter
einander, dazu die Branntweinpest, meilenweite Landstriche,
die früher als reichlich besiedelt galten, gegen Ende des
18. Jahrhunderts geradezu entvölkert hatten (Sell, S. 86, 87 ;
Römer usw.). Weit aus dem Innern des Landes heraus
mufsten die Sklaven herangeholt werden. Die Küstenbewohner
waren blofs noch Zwischenhändler, welche die europäischen
Waren in das Hinterland führten und ihre unglücklichen
Opfer nach monatelangen, höchst beschwerlichen und verlust
reichen Landreisen an die See heranschleppten. „Das sei der
Grund, warum sich der Wert der Sklaven seit 25 Jahren um
den vierten Teil vermehrt hätte,“ schreibt Sell, S. 87. „Der
Sklavenhandel wäre längst verschwunden, wenn nicht die
Küstenbewohner ihren Luxus den Völkern des inneren Afrika
mitgeteilt hätten, von denen sie Sklaven empfangen“ (Sell, S. 86).
Als für einen Sklaven durchschnittlicher Güte hingegebene
Waren gibt Seil folgendes an :
5 Flinten à 6 Reichstaler . .
80 Pf. Pulver
1 Anker Branntwein ....
2 Stangen Eisen
4 Dutzend kleine Messer . .
1 Stück Kattun zu 24 Ellen
2 Becken von Zinn ....
Ostindische Waren
1 Stück ostindisches Tuch . .
1 Becken von Messing . . .
3 Stangen Kupfer .....
2 Stangen Blei
An die Wache
Summa
30
40
16
6
4
10
2
30
Reichstaler
12
4
3
2
»
M
V
160 Reichstaler.
Eine der gröfsten Schwierigkeiten soll die gewesen sein,
dafs ein Sklavenschiff die allerverschiedensten Artikel mit
bringen mufste, da man nie wissen konnte, welche Ware auf
der Bedürfnisskala der Eingeborenen gerade obenansteheu
würde. Daraus erwuchs oft erheblicher Schaden, weil die
Güter bald hoch, bald niedrig im Werte standen, je nachdem
kurz vorher ein anderes Schiff dieselben Waren feilgeboten
hatte oder nicht. So standen die Einkaufspreise in Europa