Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV 1. 
der Händler ein Geschäft machen können, vorausgesetzt, dais 
er den feindlichen Kaperschiffen entwischte. 
Dafs der Sklavenhandel tatsächlich für den gröfseren Teil 
der daran beteiligten Klassen seine frühere Bedeutung ver 
loren hatte, daran ist nach allen Berichten aus dieser Zeit gar 
nicht zu zweifeln. Man unterscheidet vielleicht am besten 
vier Gruppen von Interessenten, die an seinem Fortbestehen 
noch irgendwie beteiligt waren. Die erste waren die Rheder, 
welche die Ausrüstung der Schiffe und den Transport be 
sorgten, und die auf jeden Fall bezahlt wurden und einen 
Gewinn erzielten, das Geschäft mochte sonst glücken oder 
nicht. Deshalb konzentrierte sich in dieser an Zahl schwachen, 
an Einflufs mächtigen Kapitalistengruppe der Hauptwiderstand 
gegen die Abolition (Renny, S. 182). Recht zweifelhaft waren 
die Gewinnaussichten der englischen Exportmanufakturen. 
Absonderliche Gewinne wie früher wurden im Handel mit 
Afrika nicht mehr gemacht. Die französischen Sklavenhändler 
entnahmen von ihnen nur noch ganz wenige Tauschartikel; 
jedes Land bemühte sich, eigene Waren in Afrika loszuschlagen, 
und der billige Rum und Branntwein, den die Nordamerikaner 
aus Westindien nach der Küste trugen, verdrängte die eng 
lischen Fabrikate mehr und mehr. Wäre es anders gewesen, 
so hätte der Widerspruch aus diesen Kreisen schärfer gewesen 
sein müssen. Es sind indessen zahlreiche Fälle vorgekommen, 
wo englische Manufakturisten sich ausdrücklich gegen den 
Sklavenhandel erklärten, obgleich sie daran beteiligt waren 
(siehe z. B. die in den Journals of t. H. o. C., Bd. 43 er 
wähnten Petitionen aus Manchester vom 11. Febr. 1788, auch 
aus London (Bandinell, S. 77) und Dublin (Rep. 1789, 1). 
Sie alle hofften durch einen sogenannten „natürlichen“ Handel 
mit Afrika, d. h. durch einen Tauschhandel zwischen eng 
lischen Fabrikaten und afrikanischen Kolonialwaren (Gold, 
Elfenbein, Wachs, Früchte usw.) mehr zu verdienen. Die dritte 
Gruppe, die Unternehmer, welche das notwendige Kapital an 
Schiffen, Tauschartikeln, Lebensmitteln, Löhnen usw. zusammen 
fügten und die Sklaven später in Amerika verkauften, trug 
das ganze Risiko. Ihr Geschäft war, wie bereits erwähnt, ein 
Glücksspiel, dessen Gefahren nur dadurch etwas gemäfsigt 
wurden, dafs Unternehmer und Rheder häufig dieselben Per 
sonen waren. Sonst überstiegen gewöhnlich ihre Verluste den 
Gewinn. Die vierte Gruppe stellten die westindischen Pflanzer 
dar. Für sie war der Sklavenhandel natürlich eine wichtige, 
aber nicht mehr eine Lebensfrage. Als solche wurde er fälsch 
lich oft ausgegeben und irrtümlich dafür gehalten. Schon im 
vierten Teil wurde zu zeigen versucht, welche bedenklichen 
Schattenseiten er aufzuweisen hatte; aus den folgenden Ab 
schnitten wird sich ergeben, dafs andere gewichtige Gründe 
seine Abschaffung geradezu verlangten. Somit läfst sich nach
	        
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