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XXV 1.
der Händler ein Geschäft machen können, vorausgesetzt, dais
er den feindlichen Kaperschiffen entwischte.
Dafs der Sklavenhandel tatsächlich für den gröfseren Teil
der daran beteiligten Klassen seine frühere Bedeutung ver
loren hatte, daran ist nach allen Berichten aus dieser Zeit gar
nicht zu zweifeln. Man unterscheidet vielleicht am besten
vier Gruppen von Interessenten, die an seinem Fortbestehen
noch irgendwie beteiligt waren. Die erste waren die Rheder,
welche die Ausrüstung der Schiffe und den Transport be
sorgten, und die auf jeden Fall bezahlt wurden und einen
Gewinn erzielten, das Geschäft mochte sonst glücken oder
nicht. Deshalb konzentrierte sich in dieser an Zahl schwachen,
an Einflufs mächtigen Kapitalistengruppe der Hauptwiderstand
gegen die Abolition (Renny, S. 182). Recht zweifelhaft waren
die Gewinnaussichten der englischen Exportmanufakturen.
Absonderliche Gewinne wie früher wurden im Handel mit
Afrika nicht mehr gemacht. Die französischen Sklavenhändler
entnahmen von ihnen nur noch ganz wenige Tauschartikel;
jedes Land bemühte sich, eigene Waren in Afrika loszuschlagen,
und der billige Rum und Branntwein, den die Nordamerikaner
aus Westindien nach der Küste trugen, verdrängte die eng
lischen Fabrikate mehr und mehr. Wäre es anders gewesen,
so hätte der Widerspruch aus diesen Kreisen schärfer gewesen
sein müssen. Es sind indessen zahlreiche Fälle vorgekommen,
wo englische Manufakturisten sich ausdrücklich gegen den
Sklavenhandel erklärten, obgleich sie daran beteiligt waren
(siehe z. B. die in den Journals of t. H. o. C., Bd. 43 er
wähnten Petitionen aus Manchester vom 11. Febr. 1788, auch
aus London (Bandinell, S. 77) und Dublin (Rep. 1789, 1).
Sie alle hofften durch einen sogenannten „natürlichen“ Handel
mit Afrika, d. h. durch einen Tauschhandel zwischen eng
lischen Fabrikaten und afrikanischen Kolonialwaren (Gold,
Elfenbein, Wachs, Früchte usw.) mehr zu verdienen. Die dritte
Gruppe, die Unternehmer, welche das notwendige Kapital an
Schiffen, Tauschartikeln, Lebensmitteln, Löhnen usw. zusammen
fügten und die Sklaven später in Amerika verkauften, trug
das ganze Risiko. Ihr Geschäft war, wie bereits erwähnt, ein
Glücksspiel, dessen Gefahren nur dadurch etwas gemäfsigt
wurden, dafs Unternehmer und Rheder häufig dieselben Per
sonen waren. Sonst überstiegen gewöhnlich ihre Verluste den
Gewinn. Die vierte Gruppe stellten die westindischen Pflanzer
dar. Für sie war der Sklavenhandel natürlich eine wichtige,
aber nicht mehr eine Lebensfrage. Als solche wurde er fälsch
lich oft ausgegeben und irrtümlich dafür gehalten. Schon im
vierten Teil wurde zu zeigen versucht, welche bedenklichen
Schattenseiten er aufzuweisen hatte; aus den folgenden Ab
schnitten wird sich ergeben, dafs andere gewichtige Gründe
seine Abschaffung geradezu verlangten. Somit läfst sich nach