Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

Völker  für  die  Sicherheit  der  Inseln  entständen.  Ihre  Warnungen ­
  sind  aber  bis  zum  Ausbruch  der  Unruhen  auf  Domingo ­
  kaum  beachtet  worden.  Sklavenerhebungen  waren  im
ganzen  18.  Jahrhundert  wohl  immerfort  vorgekommen  ;  sie  hatten
aber  nie  einen  solchen  Umfang  erreicht,  als  dafs  man  deswegen ­
  auf  die  Importe  verzichtet  hätte.  Der  Nutzen  der  Importe ­
  war  im  ganzen  viel  gröfser  als  der  durch  sie  gelegentlich ­
  angerichtete  Schaden.  Auf  Jamaika  bestand  ein  altes
Gesetz,  nach  welchem  jeder  Pflanzer  aus  Gründen  der  Sicherheit ­
  verpflichtet  war,  auf  eine  gewisse  Anzahl  Neger  je  einen
weifsen  Knecht  zu  halten.  Es  war  jedoch  veraltet;  denn  tatsächlich ­
  kamen  gegen  Ende  der  1780er  Jahre  auf  einen  Weifsen
mehr  Schwarze  als  erlaubt  waren.  •
An  sich  war  es  ohne  weiteres  klar,  dafs  frisch  importierte
Sklaven,  die  womöglich  noch  vor  wenigen  Wochen  in  ihrer
afrikanischen  Heimat  als  freie,  unabhängige  Krieger  die  Waffen
geführt  hatten,  viel  mehr  zu  Aufruhr  und  Widersetzlichkeit
neigen  mufsten  als  solche  Neger,  die  von  Geburt  an  das  Joch
der  Sklaverei  gewöhnt  waren.  Letztere  waren  im  Kriegsfälle,
wenn  irgendein  europäischer  Feind  das  Land  bedrohte,  viel
friedlicher  und  ihrer  neuen  Heimat  ergebener  als  erstere.  Ihre
Zuverlässigkeit  hing  zum  grofsen  Teil  von  ihrer  Behandlung
ab.  Von  diesem  Gesichtspunkt  beurteilt  auch  der  bereits  auf
Seite  42  erwähnte  Brief  an  Lord  Hawkesbury  (Report  1789,  I)
den  Handel:  „If  any  enemy  sets  foot  on  any  of  the  islands,
the  defence  must  rest  in  part  in  cooperation  of  the  negroes,
and  that  cooperation  will  be  more  or  less  perfect  in  the  hour
of  trial,  as  springing  from  fidelity  and  attachement,  or  as  depending ­
  on  abject  submission.“
In  ihren  Kolonialkriegen  haben  die  Engländer,  Franzosen,
Spanier  und  Holländer  oft  ihre  Sklaven  gegeneinander  auszuspielen ­
  versucht;  doch  meist  mit  wenig  Erfolg.  „Es  ist  den
Engländern  während  des  Unabhängigkeitskrieges  von  1770  bis
1783  nie  recht  gelungen,  die  Neger  gegen  ihre  Herren  aufzuwiegeln“ ­
  (v.  Waltershausen,  S.  104).  Hätten  die  bisherigen
Aufstände  auf  die  Abolition  eine  wesentliche  Einwirkung  gehabt, ­
  so  hätte  der  Negerhandel  schon  längst  eingestellt  werden
müssen.  Doch  das  gerade  Gegenteil  läfst  sich  beobachten.
Sobald  ein  Aufstand  mit  Not  und  Mühe  niedergeschlagen  war,
begannen  schleunigst  wieder  die  Zufuhren,  um  die  durch  den
Krieg  gerissenen  Lücken  zu  füllen.  So  ist  England,  so  sind
alle  übrigen  Kolonialstaaten,  namentlich  Frankreich,  verfahren.  —
Erst  aus  den  furchtbaren  Negeraufständen  auf  Domingo
sowie  aus  seinen  eigenen  Sklavenerhebungen  in  der  Kriegszeit ­
  von  1793—1807  hat  England  eine  Lehre  gezogen.  Die
Erörterung  hierüber  fällt  nicht  mehr  in  den  Rahmen  dieses
Abschnitts.  Bis  zum  Kriegsausbruch  im  Jahre  1793  war  die
Furcht  vor  Aufständen  in  England  keine  allzugrofse.
            
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