Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

120 Siebentes Kapitel Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
war vor allem in Rom konzentriert sowie in den südlichen Städten 
wie Puteoli, Neapel u. a. Die Wein- und Ölproduktion Italiens 
war so groß, daß Export möglich war, so z. B. nach Gallien, bis 
Südgallien erfolgreich Konkurrenz zu machen in der Lage war. Im 
portiert wurden vor allem, neben den Zerealien, Luxusgegenstände 
aller Art und Sklaven, für deren Beschaffung nach dem Aufhören 
der großen Kriege, so gut es eben ging, die Seeräuber sorgten, 
die aus Kleinasien und Syrien das entsprechende Menschenmaterial 
zusammenbrachten. Und wenn die so gewonnenen Mengen auch 
nicht den früheren vergleichbar waren, so waren sie immerhin be 
deutend genug, um viele einflußreiche Männer zu veranlassen, die 
Bekämpfung der Seeräuber lässig zu betreiben. Da manchen Ge 
treideproduktionsländern der Export nur nach Italien gestattet 
war, ließ sich hier viel Getreide konzentrieren, während der Ex 
port unbedeutend war. Im Verhältnis zu dem gewaltigen Reich 
tum der Städte Italiens, der griechischen im Süden und besonders 
Roms, war die Industrie nicht groß, die Waren wurden denn 
auch vorzugsweise aus Einnahmen gekauft, die nicht dem Waren 
handel entstammten, sondern aus Tributen oder Geldgeschäften 
flössen. Wie bedeutsam der Handel nach Rom war, kann man 
daraus ersehen, daß z. B. Cäsar sich mit dem Gedanken trug, 
den Lauf des Tiberfluffes zu regulieren (Plutarch, Cäsar 58). 
Die bauliche Entwicklung Roms entsprach zunächst dem Reichtum 
in keiner Weise, da die Straßen eng, die Bauten unsicher waren, 
erst die Kaiserzeit schuf ein neues Rom von ungeheurer Pracht. 
Da wie in allen Großstädten die Bodenpreise stiegen, wurden die 
Häuser mehrstöckig gebaut, eine Erscheinung, wie wir sie in der 
modernen Entwicklung ebenfalls kennen (Juvenal I, 3, 199). Den 
hohen Bodenpreisen entsprachen auch die hohen Wohnungspreise 
in der Stadt, wo man für eine kleine Behausung dasselbe zahlte 
wie in kleineren Landstädten für ein Häuschen mit Garten (Ju 
venal I, 3, 225). Die Großstadt übte damals wie heute ihre 
Macht aus; ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Vorteilen, bot 
sie viele Anregungen (Juvenal 1,3, 223). Die Reichhaltigkeit des 
Marktes übertraf wohl noch den von Athen (S. 75). Von Rom 
gingen die Straßen aus, die den Reisenden überall hinführen 
konnten. Privatposten und private Speditionsfirmen ermöglichten 
ein vielleicht zuweilen etwas umständliches, aber jedenfalls an 
genehmes Reisen. Da Stationen zum Pferdewechsel systemisiert 
waren, konnten Reisen recht bequem gemacht werden, und trotz
	        
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