138 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft.
daß in Smyrna für die Stadterweiterung und -ausschmückung viel
geschah, und ein Rhetor dort Schüler aus allerHerren Ländern, aus
Europa, Ionien und ganz Kleinasien vereinigen konnte (Philostra-
tus, Sophistenbiographien II, 26). Wie lukrativ für die Rhetoren
dies Geschäft war, kann man daraus entnehmen, daß sie ob ihrer
Schätze in den sogenannten Briefen des Apollonius von Tyana
geschmäht wurden. Die Honorare waren nicht niedrig (Philo-
stratus, Sophistenbiographien II, 2) und nährten ihren Mann.
Freilich brachte ein Teil dieser Einnahmen den Städten und der
Bevölkerung Vorteile, weil die Rhetoren, sowie überhaupt die
vornehmen Leute, viel für die öffentliche Wohlfahrt taten und so
die Fürsorge des Staates zum Teil ersetzten (Phckostratus, So
phistenbiographien II, 23).
Die Bevölkerungszunahme beschränkte sich in der Kaiserzeit
zunächst nur auf die Großstädte, während die Gesamtbevölkerung
in Abnahme begriffen war, die dann auch bald in den Städten
konstatiert werden konnte. Die Menschenmassen, welche z. B. in
Rom zusammenströmten, stammten aus aller Herren Ländern, es
waren Griechen und Orientalen, Gallier und Spanier, Sklaven
und Freigelassene, ausgediente Soldaten und junge Rekruten
(Appian, Bürgerkriege II, 20). Die Getreidespenden taten das
Ihrige, die Menschen anzulocken (S. 130). In Rom hofften
manche weiterzukommen, dort fanden sie auch überhaupt erst
die Möglichkeit — und ähnlich war es in den anderen großen
Städten —, mit ihren paar Groschen sich einen guten Tag zu
machen. Außerdem war eine Art Existenzminimum durch die
Spenden aller Art garantiert sowie allerlei Vergnügungen, die
jedermann zugänglich waren. War doch die Menge der Kultur
güter, die dem römischen Proletarier zur Verfügung stand, im
ganzen größer als die, welche heute dem Arbeiter geboten wird.
Die Bevölkerungszahl blieb bis gegen die Zeit Diocletians kon
stant. Als Rom nicht mehr Hauptstadt des Gesamtreiches war,
begann jener Verfall, der es zu dem machte, was es im Anfang
des Mittelalters war, zu einer mittelgroßen Stadt. Es war diese
Entvölkerung nur eine Fortsetzung der oben geschilderten (S. 104).
Auch die unteren Volksklassen scheuten die Ehe und wollten keine
Kinder bekommen, so daß z. B. die Ansiedlung von Veteranen,
die in der Kaiserzeit als Mittel gegen die Entvölkerung oft ver
sucht wurde, zuweilen gar nichts nutzte (Tacitus, Annalen XIV, 27).
Dabei suchten sowohl die Kaiser wie Nero und Trajan als auch