Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Berufsehre,  Sklaverei.

73

Maße  im  Handels-  und  Bankwesen  sowie  im  Staatsdienst  (Äschines,
Gegen  Timarchos  23)  zu  verwenden.  Hier  mußten  die  Schranken
fallen,  und  es  war  häufig  für  den  Herrn  vorteilhaft,  wenn  er  seinem
Sklaven  Geld  übergab  und  ihn  nur  einen  Teil  des  damit  erworbenen ­
  Gewinnes  abführen  ließ.  Diese  Gewinnbeteiligung  —  wie
wir  sie  in  großen  Betrieben  beim  höheren  kaufmännischen  Personal
jetzt  sehr  häufig  kennen,  bewährte  sich  und  führte  nicht  selten  dazu,
daß  der  Herr  dem  Sklaven  die  Freiheit  schenkte  und  den  neuen
Freigelassenen  zu  seinem  Bankier  machte.  Im  Wirtschaftsorganismus ­
  unterschieden  sich  solche  Sklaven  durch  nichts  von  Freien,
wie  denn  überhaupt  „Sklave"  kein  wirtschaftlicher  Begriff
ist,  sondern  ein  politisch-rechtlicher.  Die  günstige  Stellung
der  Sklaven,  die  in  Athen  auch  zum  Teil  rechtlich  festgelegt  war,
fand  darin  ihren  Ausdruck,  daß  das  Auftreten  vieler  Sklaven  in
der  Öffentlichkeit  sich  durch  nichts  mehr  von  jenem  der  Freien
und  Beisassen  unterschied,  was  natürlich  nur  für  die  höheren
Sklavenkategorien  gilt  und  zum  Teil  in  dem  Sinne  gefaßt  werden
muß,  in  dem  man  heute  sagt,  daß  sich  die  Dienstboten  wie  die
Herrschaft  tragen  (Xenophon,  Verfassung  der  Athener  1).  Aber
daneben  wuchs  auch  die  Zahl  jener  Sklaven,  die  ein  wirklich  elendes ­
  Dasein  führten  und  abteilungsweise  organisiert  in  den  Bergwerken ­
  arbeiteten.  Die  Ausnutzung  der  Sklaven  in  großem  Stil
von  Staats  wegen  für  Bergwerkszwecke  war  sehr  naheliegend
(Xenophon,  Von  den  Staatseinnahmen  der  Athener).  Die  Sklaven
wurden  also  geteilt,  die  stumpferen,  minder  kultivierten  wurden
in  die  Bergwerke  und  in  die  Fabriken  geschickt,  während  die  kultivierteren ­
  und  gebildeteren  in  den  Handelsstand  und  in  die  ökonomische ­
  Verwaltung  eintraten,  wo  die  individuelle  Entschließung
vorwiegt.  Das  intelligentere  Material  stammte  vor  allem  aus  den
zahlreichen  Kriegen  der  Griechen  untereinander  (Diodor  XVI,  34).
Ein  Teil  der  Sklaven  wurde  übrigens  an  vielen  Orten  im  Staatsdienst ­
  verwendet,  bekannt  sind  die  Polizeisklaven  von  Athen.  Diese
haben  mit  dem  Begriff,  den  man  sich  häufig  vom  Sklaven  macht,
ebensowenig  etwas  gemein  wie  die  Nubiersklaven,  die  als  Söldner
in  Ägypten  verwendet  wurden  (S.  10).  Im  allgemeinen  waren
unter  den  Sklaven  mehr  Männer,  doch  darf  man  nicht  vergessen,
daß  manchmal  ein  starker  Zuwachs  von  Frauen  eintrat,  wenn  z.  B.
eine  Stadt  erobert,  die  Frauen  verschont,  die  Männer  aber  getötet
wurden  (Thucydides  IV,  120  ff.),  was  die  Empörung  mancher
Autoren  hervorrief  (Jsokrates,  Panegyrikos  29).  Die  Sklavinnen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.