Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

Thüringen:  Ruhla.

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Vier  Gruppen:  Die  Pfeifenbeschlag-,  Musikinstrumenten-,
Spielwarenarbeiter  und  Arbeiter  für  elektrische  Jnstallationsartikel
  kommen  in  Frage.
In  der  Pfeifenbeschlagbranche  kommen  etliche  Hundert  Personen ­
  als  Heimarbeiter  in  Frage.  Die  Beschläger  in  der  Fabrik
verdienen  12  bis  13  Mk.,  15  bis  16  Mk.  und  18  bis  20  Mk.  pro
Woche  bei  7  st?  bis  11  stündiger  Arbeitszeit.  Diese  schleppen  Körbe  voll
Beschläge  nach  Hause,  um  dieselben  von  früh  vier  Uhr  bis  daß  sie  in
die  Fabrik  gehen  und  abends  bis  11  und  12  Uhr  mit  Frau  und  Kind
fertig  zu  machen.  Dafür  erhalten  sie  die  Akkordpreise  der  Heimarbeiter,
welche  für  die  besten  Würzburger  Beschläge  45  Pf.  pro  Dutzend,  für
die  minderwertigen  Unnaer  20  Pf.  und  für  die  Erlanger  12  Pf.  pro
Dutzend  betragen.  Eine  Heimarbeiterfamlilie  kann  mit  15  stündiger
täglicher  Arbeitszeit  pro  Woche  20  bis  23  Mk.  verdienen.  Davon  geht
ab  für  Gasolin  1,30  Mk.,  Schlaglot  1  Mk.  und  für  Draht  40  Pf.
Reinverdienst  17  bis  20  Mk.  von  einer  ganzen  Familie.  Trotz  dieser
miserablen  Preise  zeigt  sich  die  Erscheinung,  daß  die  Heimarbeiter  sich
gegenseitig  in  den  Preisen  unterbieten.
In  der  Musikinstrumentenbranche  werden  zirka  13  Frauen
daheim  beschäftigt;  auch  helfen  die  Männer  abends.  Angefertigt  werden
zu  Hause:  Klappenhalter,  für  1000  Stück  (eine  Stunde  Arbeit)  25  Pf.;
Flöten  und  Trombinos  putzen,  für  ein  Stück  4  bis  5  Pf.,  in  einer
Stunde  sind  vier  bis  sechs  Stück  zu  putzen;  Trompetenklappen  auf
Leder  nieten,  für  1000  Stück  gibt  es  35  Pf.,  5000  bis  6000  ist  eine
Tagesleistung.
In  den  Jnstallations-  und  Lampenartikeln  sind  ständig
zirka  20  Familien  mit  Heimarbeit  beschäftigt.  Sie  setzen  und  löten  zusammen ­
  und  putzen.  Außerdem  sind  zirka  150  Familien  beschäftigt
mit  Heimarbeit,  die  nach  Schluß  der  Fabrikarbeit  geleistet  wird.  Auch
in  diesem  Falle  ist  der  Verdienst  nicht  ausreichend,  wenn  auch  etwas
besser  wie  in  anderen  Branchen.
Die  größte  Zahl  der  Arbeiter  ist  in  der  Spielwarenbranche
tätig.  An  900  Personen  und  mehr  arbeiten  nur  daheim,  an  1000  in
der  Fabrik  und  daheim.  In  der  Fabrik  werden  die  einzelnen  Teile
hergestellt.  Diese  werden  an  die  Heimarbeiter  zur  Fertigstellung  abgegeben. ­
  Die  Heimarbeiter  und  -Arbeiterinnen  müssen  Uhrketten  abteilen ­
  und  Haken  anbiegen,  Gros  für  5  Pf.;  Ketten  mit  Knebel  und
Ösen  versehen  und  anschnüren,  Gros  für  10  Pf.;  mit  Knebel  versehen
und  anschnüren  7  Pf.;  Mittelteile  in  Ketten  einsetzen,  Anhängsel,
Knebel  und  Öse  anmachen,  Gros  für  15  bis  18  Pf.  Bei  diesen
Arbeiten  verdient  eine  Frau  mit  drei  bis  vier  Kindern  pro  Tag  bei
zwölfstündiger  Arbeitszeit  1  bis  1,20  Mk.  Dazu  muß  dann  die  Zeit
für  Holen  und  Liefern  gerechnet  werden.  Ferner  sind  Kinderuhren  zusammenzusetzen. ­
  Bei  dieser  Arbeit  gibt  es  für  100  Dutzend  3,50  bis
4  Mk.  Dafür  sind  Rädchen  in  die  Platte  einzusetzen,  Federn  anzubiegen,
Stift  durch  Rad,  Platte  und  Kapsel  zu  stecken.  Hohl-  und  Remontoirknopf
  aufzusetzen  und  aufzunieten,  Zifferblatt  auszuhauen,  aufzulegen
und  Zeiger  umzulegen,  Gläser  aufzulegen,  Ringe  aufzulegen  und  unter
einer  Maschine  sestzudrücken.  Hierbei  erreicht  eine  Familie  bei  fünfzehn ­
            
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