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Rheinland und Westfalen.
Rheinland - Westfalen gilt nicht mit Unrecht als der weitest entwickelte
Jndustriebezirk der Metallindustrie. In ihm ist beinahe jede
Entwicklungsphase der modernen Produktion zu beobachten. Neben den
gewaltigen Unternehmungen der Roheisen- und Stahlproduktion, neben
den Werken der Halbzeuge und Fertigbearbeitung, neben den mit allen
technischen Hilfsvorrichtungen ausgestatteten Maschinen und Metallverarbeitungsfabriken,
finden wir dort noch die rückständigste aller
Produktionsformen, die Hausindustrie. Nicht aber etwa vereinzelt
und dünn gesät, sondern noch stark vertreten, ganze Jndustriebezirke
beherrschend. Es gibt nur wenige Gebranchsgegenstände aus Metall,
aus Stahl oder Eisen, die nicht mit der Hausindustrie Rheinland-Westfalens
in loserem oder festerem Zusammenhang stände. Da ist
die Scheren- und Messerindustrie von Solingen, Ohligs, Wald
und Leichlingen, die Bügelfabrikation (Koffer- und Portemonnaiebügel)
in Wald und Ohligs, die Schirmfabrikation in Solingen,
die Feilen-, Werkzeug-, Kaffeemühlenfabrikation in Remscheid,
Lennep, Wermelskirchen und Rade vorm Wald, die Fabrikation
von Schlössern und Schlüsseln aller Art in Velbert, Heiligenhaus,
Tönisheide, Neviges, Wülfrath, Rade vorm Wald und Schwelm, die
Herstellung elektrischer Artikel, von Knöpfen, Haken und
Besatzartikeln in Lüdenscheid und Barmen, Fabrikation von
Nadeln und Fischangelhaken in Iserlohn, die Herstellung von
Polsternägeln und Patentschuhknöpfen in Neheim, Musikinstrumenten
(Harmonikas) in Neuenrade.
Solingen. Am stärksten ist die Hausindustrie im Kreise Solingen
vertreten. Wenn auch dort schon jahrelang Organisationen für die
einzelnen Berufe vorhanden sind, so ist doch schwer gesündigt worden,
da man mit Ausnahme der Feder- und Taschenmesserreider gar
keinen Wert darauf gelegt hat, statistische Erhebungen zu veranstalten,
die bei etwas gutem Willen leicht hätten durchgeführt werden können.
Die Resultate von Erhebungen über die Lage der Heimarbeiter sind
1893/94 unter dem Titel: „Zur Lage der Federmesserarbeiter" veröffentlicht
worden. Einige Zahlen daraus will ich hier mit anführen,
auch über Lehrlingswesen,' Kinderarbeit, Arbeitszeit u. s. w. In den
anderen Berufen hatte ich Gelegenheit, selbst Beobachtungen zu machen.
Die Arbeitszeit der Feder- und Taschenmesserreider betrug dreizehn
Stunden pro Tag, abzüglich der Pausen. Doch wird in vielen Fällen
noch bedeutend länger gearbeitet. Dann muß man zunächst bedenken,