Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

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Die  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

nur  deshalb  so  niedrig  stehen,  weil  die  Frauen  und  Kinder  so  viel  wie
nur  eben  möglich  mitarbeiten.  Kein  Feilenhauer  kann  ohne  Hilfe  der
Frau  und  Kinder  bei  den  kleinen  Preisen  existieren.
Bei  einen:  Heimarbeiter  (Feilenhauer)  mußte  sein  noch  schulpflichtiger
Junge  jeden  Tag  an  zehn  Dutzend  Sägefeilen  die  Kanten  kippen.
Wenn  ein  Feilenhauer  pro  Tag  fünf  Dutzend  Sägefeilen  kippt  und
haut,  hat  er  vollauf  zu  tun.  In  den  meisten  Fällen  sind  die  Frauen
mit  dem  Bläuen,  die  Kinder  mit  dem  Scheuern  beschäftigt.  Der  durchschnittliche ­
  Verdienst  der  Heimarbeiter  der  Feilenindustrie  beträgt
15  bis  18  Mk.  pro  Woche;  davon  muß  Werkstätte,  Werkzeug,  Licht,
Feuer  u.  s.  w.  gestellt  werden.  Was  dann  trotz  aller  Anstrengung  der
ganzen  Familie  zum  Leben  übrig  bleibt,  kann  sich  ein  jeder  leicht
vorstellen.
In  Mekbert,  Keikigenhaus,  Tönisheide,  Wülfrath,  Neviges,
Wade  vorm  Wakd  und  Schwelln  herrschen  ebenfalls  die  traurigsten
Zustände  in  der  Schloßindustrie.  Der  Durchschnittsverdienst  ist
13  bis  16  Mk.  pro  Woche;  Werkzeug,  Werkstätte,  Licht,  Heizung,  Öl,
sogar  Bindfaden  zum  Schlüfselanbinden  muß  von  den  Heimarbeitern
gestellt  werden.  Die  Arbeitszeit  beträgt  zwölf  bis  sechzehn,  sogar  achtzehn
Stunden.  Die  Lehrlingsausbeutung  ist  so  betrieben  worden,  daß  man
dort  jetzt  keine  Lehrlinge  mehr  bekommt,  mit  Ausnahme  solcher,  die
keine  Eltern  mehr  haben.  Hat  ein  Lehrling  dreiviertel  bis  ein  Jahr
gelernt,  so  kommt  er  in  Akkord.  Der  Meister  in  der  Hausindustrie
zahlt  ihm  nun  so  viel  für  die  Arbeit,  daß  der  Lehrling  bei  angestrengter
Arbeit  in  dreizehn  bis  fünfzehn  Stunden  und  bei  Sonntagsarheit
vielleicht  1  bis  2  Mk.  über  das  zu  zahlende  Kostgeld  verdient.  Nur
auf  Kosten  der  Lehrlingsausbeutung  halten  sich  dort  die  Hausinduftriellen
  über  Wasser,  die  Fabrikanten  haben  den  Vorteil.  Die  Heimarbeiter ­
  spielen,  wenn  die  Fabrikarbeiter  in  der  Schloßinduftrie  Verschlechterungen ­
  zurückweisen  wollen,  immer  die  Arbeitswilligen,  indem
sie  die  Schlösser  dann  zu  Hause  fabrizieren.  Die  Meister  in  der  Schloßindustrie ­
  haben  sich  Lehrlinge  aus  den  Waisenhäusern  hinter  Berlin
und  aus  Metz  hergeholt,  die  der  Ausbeutung  gänzlich  preisgegeben
sind,  da  in  den  meisten  Fällen  sich  niemand  mehr  um  die  armen,  dem
Siechtum  überantworteten  Menschen  kümmert.
Man  ersieht  hieraus,  wie  berechtigt  die  Forderung  der  organisierten
Arbeiter  ist:  die  in  der  Hausindustrie  beschäftigten  Arbeiter  der  Arbeiterschutzgesetzgebung ­
  zu  unterstellen.
In  Melieim  sind  ungefähr  200  Frauen  und  Kinder  in  der  Nagelindustrie ­
  (Polsternägel  und  Nägel  für  die  Patentschuhknöpfe)  beschäftigt. ­
  Kinder  im  zartesten  Alter  find  am  Zusammenlegen,  die  ältere
Schwester  oder  die  Mutter  sitzt  an  der  Stanze.  Ich  hatte  auch  hier
Gelegenheit,  die  Arbeiterinnen  und  Kinder  bei  der  Arbeit  beobachten
zu  können.  Nach  der  Schule  geht's  an  die  Arbeit;  für  1000  Nägel
zum  Befestigen  der  Patentschuhknöpfe  zahlt  der  Unternehmer  5  bis  6  Pf.
Schätzungsweise  stehen  zirka  200  Stanzen,  an  denen  gearbeitet  wird,
in  den  Wohnzimmern.
In  Warmen  sind  in  der  Knopf-  und  Besatzartikelinduftrie
(Arbeiterzahl  ungefähr  200)  auch  Kinder  und  Frauen  mitbeschäftigt.
            
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