ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit nach Racen. 519
kann man bei sorgsamer Aufmerksamkeit fast überall machen. So findet
man in Ostindien, dass sich, hat das dortige Clima seine schwächen
den Wirkungen auf Europäer einmal begonnen, Rheumatismen und
Lähmungen bei ihnen einstellen. Um für die verderbliche Malaria der
Campagna di Roma empfänglich zu werden, muss man eine Zeit lang
in dem Lande selbst gelebt haben. Vom blosen Durchreisen der Malaria
gegend erkrankt man nicht. Deutsche, französische und englische Künst
ler werden fast nie im ersten, wohl aber im zweiten und dritten Jahre
ihres dortigen Aufenthaltes von dem Uebel ergriffen. Die franz. Trup
pen, welche, um Joseph Napoleon auf den neapolitanischen Thron zu
erheben, hier durchzogen, hatten weder auf dem Hin- noch auf dem
Hermarsche von der als so verpestet geltenden Luft zu leiden, während
das von Pius VII. hier erbaute Capuzinerkloster bald ausstarb.*)
Darnach erklärt es sich von selbst, aus welchem Grunde die Colo
nisation Algeriens — ungeachtet der dreissigjährigen enormen An
strengungen der franz. Regierung, — nicht glückt. Können auch die
Beamten, die Kaufleute , die Wirthe und selbst Handwerker in jenem
Lande leben, so ist dagegen das Verhältniss ein anderes bei den Land
leuten, den wirklichen Colonisten, die der Sonne und überhaupt dem
Clima unmittelbar sich aussetzen müssen. (Beispiele in der Abhandlung
des Verfassers ȟber Colonisirung Algeriens a in den Verhandlungen der
Schweiz, gemeinnützigen Gesellschaft von IS54.)
♦) Eine, blos in diesem einen Punkte nicht mit der vollen Schärfe der
Consequenz durchgeführte, sonst aber treffliche Abhandlung ist die » Ueber Ac-
clvnatisirutinsjïrozesse uuti Acclttu.-Kvatihheiteti, von lir. Clemens in tvank-
furt a. J/.,« in Henke’s Zeitschrift für die Staatsarzneikunde, 1855. Der Ver
fasser stellt das sj)rechende Motto voran: »Est autem óptimas uër, uni unicui-
qae est nativas. lien ricas Jîantzovias.« Er bemerkt sodann : »Die Pflanzen ver
mögen grösstentheils nur in den ihnen von der Natur angewiesenen Himmels
strichen zu gedeihen. Von Thieren können nur wenige, und diese nur auf Kosten
ihrer Gestalt und Gesundheit, dem Menschen in alle Gegenden der Erde fol
gen.« Er fügt bei, selbst der allgemeine Satz, der Mensch vermöge es, den
ganzen Erdball zu bewohnen, könne nur auf die Völker mit höherer Cultur an
gewendet werden. »Die Verj)flanzungsfähigkeit steht daher in einem geraden
Verhältnisse zur Cultur, nimmt zu wie diese, nimmt ab wie diese.« Der Verfas
ser handelt weiter von den sog. »Acclimatisirungskrankheiten,« wobei ihm aber
noch das wichtige Moment entgeht, dass ein vollständiges Acclimatisi-
ren in der Regel unmöglich, namentlich Feldbau in anderen CTimaten absolut
verderblich bleibt, — die unvermeidliche Consequenz seiner eigenen, im Uebri-
gen so lichtvollen Aufstellung.
Capitän Burton , der Afrika-Reisende (1857) bemerkt : »Das Clima raubt
dem Reisenden Energie und Gesundheit. Die folgenden Seiten werden zeigen,
dass es sogar nicht einmal rathsam ist, die einfachsten geodätischen Arbeiten
zu unternehmen ; mein Gefährte erkrankte zweimal blos davon, dass er die Son
nenhöhe nahm.— Derjenige widersteht dem Clima am besten, der si ch dem-
selben am wenigsten aussetzt.«—Dennoch geräth Burton auf die her
gebrachte Acclimatisirungstheorie, ohne wahrzunehmen, wie er sie eigentlich
sogleich selbst widerlegt : »Reisende werden stets wohlthun, sich an der (afrik.)
Küste zu acclimatisiren, ehe sie sich in das Innere begeben ; nach ihrer M leder-
herstellung (nach einer ersten Erkrankung !) aber dürfen sie einen zweiten An
fall nicht abwarten ; sie würden sonst auf diese Vorbereitung zur Reise das
Maas von Kraft und Stärke verwenden, das zur wirklichen Ausführung dersel
ben erforderlich ist.« (Also das directe Gegentheil der Acclimatisirung!)