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lieh durch Befragung unter Zuhilfenahme eines Wochenbudgets ein
Jahresbudget zustande kommen kann, das sich in Einnahme und
Ausgabe genau deckt, wie es die Budgets Le Play’s tun. Man hat
bei allen diesen so sehr minutiösen Berechnungen immer den Ein
druck des Errechneten, nicht des Tatsächlichen. Es i
kommt hinzu, daß der Aufenthalt Le Play’s bei einer Familie oft
nicht länger dauerte, als zur Aufnahme eines Wochenbudgets ge
hörte, „mindestens eine Woche, oft einen ganzen Monat“, in einzelnen
Fällen auch wohl mehrere Monate. Die Beobachtungszeit von einem
Monat ist doch nur ein kleiner Ausschnitt aus der Mannigfaltigkeit
des ganzen Jahres. Aber selbst so viel Zeit hat Le Play gar nicht
an jede einzelne Monographie wenden können. Abgesehen davon,
daß er in derselben Zeit neben den Familien-Untersuchungen noch
viele sonstige Studien trieb, technische, geologische usw., ergibt eine
einfache Berechnung, daß für die meisten der von ihm gesammelten
300 Budgets nicht so viel Zeit verfügbar sein konnte.
Ferner hat Le Play das feste Schema für seine Unter
suchungen sich erst allmählich gebildet; es mußten daher not
wendigerweise sich viele Lücken bei der Bearbeitung zeigen. Le
Play glaubte einen ganz sicheren Maßstab für die Richtigkeit eines
Budgets zu haben: die restlose Deckung der Einnahmen
und Ausgaben. Es ist aber nicht einzusehen, weshalb die Über
einstimmung zwischen Einnahmen plus Ersparnis auf der einen, den
Ausgaben auf der anderen Seite ein Beweis exakter Wiedergabe der
Wirklichkeit sein muß und nicht vielleicht Zufall oder nur errechnete
Übereinstimmung in der Gesamtsumme. Ist die eine Seite des Budgets
wenigstens durch ganz genaue Zahlenangaben bestimmt, z. B. die
Einnahmen, so bietet eine gut durchgeführte mündliche Befragung
nach den Ausgaben dann ziemliche Gewähr für die Richtigkeit,
wenn sich Einnahmen und Ausgaben decken. Etwaige kleine Diffe
renzen bleiben unseres Erachtens auch dann besser bestehen, da
sie nicht die natürlichen Mängel der Methode verwischen, wie es
die, ja doch nur errechnete Übereinstimmung auf den Bruchteil eines
Pfennigs bei Le Play tut. Bei ihm fehlt aber jene Voraussetzung,
und beide Budgetseiten bieten Möglichkeiten zu fehlerhafter
Berechnung. Hat der Befraget’ nun zuerst die Einnahmen fest
gestellt, so wird er Sich bei den Ausgaben zufrieden geben, sobald
hier die Summe der Einnahmen erreicht ist, obwohl die Familie
vielleicht mit einem chronischen Defizit arbeitet oder ihre Erspar
nisse in Verbesserung des Inventars, in Bauten usw. verwendet.