fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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wirtschaftlicher Möglichkeiten, wie es früher gelegentlich ein Fourier, Gäbet, 
Popper-Lynkeus, Atlanticus, Wilhelm Neurath, Hertzka, Franz Oppenheimer 
usw. versuchten, ist heute an der Tagesordnung; die Utopie ist gesellschafts^ 
fähig geworden. Es dürfte nicht allzu lange dauern, und die Wirtschaftstheorie 
wird darangehen, systematisch verschiedene mögliche Wirtschaftsordnungen auf 
ihre Wirtschaftlichkeit hin zu untersuchen. Freilich müßte auch noch immer 
festgestellt werden, wie weit eine an sich wirtschaftlichere Ordnung verwirk 
licht werden kann. Der Glaube, daß man umfassende Neuerungen nur im Laufe 
von Jahrzehnten durch vorsichtiges Tasten erfolgreich einführen könne, ist 
wesentlich erschüttert worden. Vielleicht sind manche bereit, in die gegen 
teilige Anschauung zu verfallen, und schätzen die historisch überlieferte Seelen 
verfassung, die Gewöhnung und vieles andere allzu gering ein. 
Als Grundlage wirtschaftlicher Untersuchungen fordert der Zeitgeist eine 
Übersicht überd ie zur Verfügung stehenden Mengen an 
produktiven Mitteln (Maschinen, Wasserkräften, Arbeitskräften, Er 
findungen usw.), über die Rohstoffe usw., sowie über den Bedarf. Ist so das 
technisch Mögliche erkannt, so vermag man festzustellen, wie weit Ein 
richtungen als Mittel der Bedarfsbefriedigung zu dienen vermögen. Die mengen 
mäßige Erfassung der technischen Möglichkeit, deren organisatorische Ver 
wirklichung in Frage steht, kann man als Naturalrechnung der Geld 
rechnung gegenüberstellen, welche vor allem mit Preisen und Reingewinnen 
sich beschäftigt und vielfach von der Anschauung ausgeht, ein größeres Geld 
einkommen eines Volkes bedeute auch ein günstigeres Dasein. 
Geldrechnung war es, wenn Colquhoun die Kriegswirtschaft Eng 
lands während der Napoleonischen Kriege in der Weise beschrieb, daß 
er die Produktion an Milch, Fleisch, den Import an Baumwolle und so weiter 
nicht in Mengen, sondern in Pfund Sterling angab. Geldrechnung war es, wenn 
kürzlich als Verlustposten der Sommerzeit der Gewinnentgang aufgezeigt 
wurde, welcher Stadtverwaltungen dadurch erwächst, daß sie durch Ersparung 
an Gasbeleuchtung für den eigenen Betrieb weniger gewinnen, als sie durch 
den geringeren Gasverkauf an die Bevölkerung verlieren. Es war ein Zeichen der 
vordringenden Naturalrechnungj, daß von vielen Seiten dagegen eingewendet 
wurde, in letzter Linie sei die Sommerzeit eine Ersparung an Kohlen und 
Arbeitskräften. Würde die Sommerzeit von der freien Konkurrenz abhängen, 
Gasfabriken würden sich ihr wohl entgegenstemmen und vielleicht die An 
schauung verbreiten, die Sommerzeit sei nicht mehr modern. 
Die Naturalrechnung ist für leitende Kreise heute im wesentlichen aus 
schlaggebend. Sie dürfte auch der Ausgangspunkt der Wirtschaftswissen 
schaften werden. An sich bedeutet sie keine soziale oder wirtschaftliche Stellung 
nahme, sondern ist eine Betrachtungswei se. Man kann Wirtschafts 
einrichtungen und Wirtschaftsordnungen der Naturalrechnung unterwerfen und 
etwa feststellen, daß z. B. unter gewissen Bedingungen die Verkehrswirtschaft 
wirtschaftlicher sei als die Verwmtungswirtschaft. Es wäre denkbar, daß die 
Verkehrswirtschaft, wie sie zu Beginn des Krieges herrschte, zwar Produktions 
einschränkungen und ähnliches kenne, aber durch die Anspannung der Kräfte 
ein günstigeres Ergebnis liefere als die Verwaltungswirtschaft, welche die 
Produktion organisatorisch fördere, aber psychologisch lähme. Wesentlich wäre 
die Neuorientierung der Fragestellung. Nicht die Veränderungen der Preise, 
des Zinsfußes, des Arbeitslohnes stehen im Vordergründe, sondern ihr Ein 
fluß auf die Bedarfsbefriedigung. Auch können Ordnungen auf 
ihre Wirtschaftlichkeit hin untersucht werden, in denen diese Größen über 
haupt nicht Vorkommen. 
Die Naturalrechnung dürfte auch eine Neugestaltung der Sta 
tistik bedingen. Produktion, Konsum, Export, Import, Vorratsbildung werden 
im Zusammenhang mengenmäßig erfaßt werden müssen. Die Kon 
sumstatistik, welche bisher vielfach ein sozialpolitisches Anhängsel war, dürfte 
nun in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Interesses rücken. 
Während man die Naturalrechnung als Grundlage der wirtschaftstheo 
retischen Analyse auf alle wirtschaftlichen Vorgänge anwenden kann, wird sie 
von der freien Verkehrswirtschaft praktisch nicht benötigt, weil diese ja
	        
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