Full text : Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

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wenn  der  Großbrauerei  die  Rente  genommen  wird,  wenn  sie
auch  mit  Pfennigen  rechnen  muß,  wenn  ihr  die  Mittel  fehlen,
um  Technik  und  Wissenschaft  weiter  in  den  Dienst  des  Gewerbes ­
  stellen  zu  können?  Für  den  Kleinbetrieb  sicher  nicht.
Wird  es  richtig  sein,  die  Staffelung  so  zu  bemessen,  daß  auch
die  unvollkommenste  Einrichtung  leistungsfähig  wird  gegenüber ­
  dem  besteingerichteten  Betrieb?  Wird  es  besser  werden,
wenn  dann  wieder  in  jedem  Waschkessel  Bier  gebraut  und  in
jedem  Hauskeller  Bier  gelagert  wird?  Wie  stehen
dazu  die  Nahrungs-  und  Genußmittelgesetze?  Für  die  Kleinbrauerei ­
  dürfte  das  viel  schädlicher  sein,  als  die  manches
Mal  ja  recht  hart  schlagende  Peitsche  großindustrieller  Konkurrenz. ­
  Letztere  treibt  aber  wenigstens  vorwärts,  das  erstere
bringt  dagegen  nur  Versumpfung.  Diese  Auffassungen  wurden
auch  schon  wiederholt  denjenigen  Herren  der  Kleinbrauerei
vorgetragen,  welche  das  Heil  allein  in  der  Staffelung  erblicken. ­
  Eine  Widerlegung  der  obigen  Auffassungen  konnte
von  ihnen  nicht  erfolgen.
Das  alles  führt  immer  wieder  zu  demselben  Schluß.  Es
läßt  sich  nicht  alles  vereinigen.  Entweder  —  oder,  so  heißt  es
auch  hier.  Hohe  Steuern  und  Mittelstandsschutz  läßt  sich
nicht  zusammenbringen.  Schwere  Belastung  des  Bieres  und
Schonung  des  Publikums  läßt  sich  nicht  vereinigen.
Erhöht  man  die  jetzige  Steuer,  so  bricht  die  Kleinindustrie
zusammen.  Ihre  Mittel  reichen  dazu  nicht  aus.  Das  zeigt
das  Beispiel  in  allen  süddeutschen  Staaten.  Tritt  Staffelung
hinzu,  macht  die  Großindustrie  nur  um  so  schärfere  Anstrengungen ­
  und  führt  den  Kleinbetrieb  erst  recht  zum
Untergang.
Stellt  man  die  Spannung  so  hoch,  daß  die  Staffelung
den  Großbetrieb  gefährdet  und  den  Kleinbetrieb  künstlich  in  den
Vordergrund  schiebt,  so  schneidet  man  den  Lebensfaden  ab  für
die  ganze,  große  Brauindustrie.  Dieselbe  steht  jetzt  schon  in
schwerer  Krisis.  Wird  ihr  nicht  weitere  schwere  Last  auferlegt,
hofft  sie,  dieselbe  überwinden  und  weiterer  Entwicklung  entgegengehen ­
  zu  können.
Fragen  wir  nun:
3.  Wie  gestaltete  sich  die  Entwicklung  des  gesamten ­
  Brauereibetriebes  und  wie  erklärt  sich  das
Verschwinden  der  Kleinbrauereien?  Die  Bevölkerung
wuchs  an,  die  Wohlhabenheit  nahm  zu,  der  Verbrauch  vermehrte ­
  sich.  Der  Geschicktere  überflügelte  den  weniger  Geschickten, ­
  der  eine  stieg,  der  andere  blieb  stehen?  Die  Verhältnisse ­
  halfen.  Die  rasch  anwachsende  Stadt  bot,  ohne
ü'eitere  Anstrengung  für  den  einzelnen,  ein  ganz  besonders
günstiges  Arbeitsfeld.  Die  Brauereien  der  Großstädte  wurden
zu  gewaltigen  Betrieben,  bescheiden  blieb  das  Land  zurück.
            
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