307*
*20*
Felix Heinr. Schoeller, Feinpapierfabrik,
Düren im Rheinland.
Die Firma Felix Heinr. Schoeller wurde im Jahre 1857 durch Kommerzienrat Felix
Heinrich Schoeller als Fabrik zur Herstellung von Post-, Schreib- und Konzeptpapier ge
gründet; heutige Inhaber sind Kommerzienrat Heinrich Schoeller seit dem Jahre 1870
und sein Sohn Alfred Schoeller seit dem Jahre 1911. Die Erzeugnisse erstrecken sich jetzt
auf alle Gebiete der Feinpapierfabrikation.
In dem Bestreben, auf sozialem Gebiete für die bei der Firma beschäftigten Arbeiter
und Arbeiterinnen, deren Zahl etwa 520 beträgt, auch über die gesetzlichen Vorschriften
hinaus zu sorgen, haben die Inhaber im Laufe der Jahre eine Reihe von Fürsorge- und
Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen.
SPEISESÄLE, AUS- UND ANKLEIDERÄUME. So wurden in der Fabrik für die
Arbeiter Speisesäle, sowie Aus- und Ankleideräume eingerichtet; ferner hat die Firma
eine große
BADEANSTALT, in der Arbeitern und Arbeiterinnen ohne Entgelt Gelegenheit zum
Baden geboten ist, erbaut. In dem benachbarten Orte Birkesdorf sind in dem Bestreben,
den Arbeitern billige und gesunde Wohnungen zu schaffen, von der Firma eine Reihe von
ARBEITERHÄUSERN errichtet worden; die älteren Häuser sind im Laufe der Jahre
durch geringe, den Arbeitern wenig fühlbare Abzüge in den Besitz der Leute übergegangen,
während die neueren Häuser gegen niedrige Mieten den Arbeitern überlassen sind. Für
den Bedarf der Arbeiter an
LEBENSMITTELN, KOHLEN usw. sorgt eine von der Firma gemeinsam mit anderen
Firmen ins Leben gerufene
KONSUMANSTALT in Birkesdorf. Nach 25jähriger Dienstzeit erhalten die Arbeiter
neben einem
DIPLOM des Vereins Deutscher Papierfabrikanten in geschmackvollem Rahmen ein
GELDGESCHENK; es konnten bis jetzt 135 Arbeiter und Arbeiterinnen in dieser Weise
ausgezeichnet werden. Sieben mehr als 40 Jahre bei der Firma beschäftigte Mädchen und
Frauen wurden von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin durch Verleihung der goldenen
Brosche geehrt; ferner wurde einem Meister das Kreuz zum „Allgemeinen Ehrenzeichen“,
sowie vier Meistern und Maschinenführern das „Allgemeine Ehrenzeichen“ von Seiner
Majestät dem Kaiser und König verliehen.
GEMEINDEHAUS. Zum bleibenden Gedächtnis an ihre Eltern, Herrn Kommerzien
rat Felix Heinrich Schoeller und Frau Maria geb. Schüll, schenkten die Kinder der evan
gelischen Gemeinde in Düren das in der Moltkestraße errichtete Gemeindehaus im Werte
von etwa 280 000—300 000 M.
HEINRICH-SCHOELLER-STIFTUNG. Zum Andenken an seine silberne Hochzeit,
sowie aus Anlaß des 50 jährigen Bestehens der Firma hat Kommerzienrat Heinrich Schoeller
zugunsten der Arbeiter eine mit einem Kapital von 100 000 M. ausgestattete „Heinrich-
Schoeller-Stiftung“ errichtet, deren jährliche Erträgnisse im Interesse der Arbeiter und
Arbeiterinnen in solchen Fällen zu verwenden sind, in welchen eine Beihilfe über die statut
gemäße Zuwendung der Fabrikkrankenkasse hinaus angebracht ist oder, außer von Krank
heitsfällen, die wirtschaftliche Bedrängnis von braven, hilfsbedürftigen Arbeitern eine
Unterstützung angebracht erscheinen läßt. Es kann auch Unterstützung solchen Arbeitern
und Arbeiterinnen gewährt werden, die arbeitsunfähig, d. h. invalide geworden sind und
mindestens 12 Jahre bei der Firma in Arbeit gestanden haben.