Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

§

ab,  ob  der  Bauer  alle  auf  ihm  liegenden  Lasten  und  alle  Ausgaben  für
die  eigene  Wirtschaft  durch  den  Getreideverkauf  allein  oder  ausserdem
auch  noch  mittels  Lohnarbeit  zu  bestreiten  hat.
Was  die  Höhe  der  Getreidepreise  überhaupt  und  ihre  Bewegung
insbesondere  anbetrifft,  so  ist  ein  starkes  Sinken  der  Getreidepreise  zu  bemerken. ­
  So  betrug  der  Weizenpreis  pro  Pud  im  Durchschnitt  im  ganzen
Gebiet  (ohne  das  Dongebiet)  in  den  Jahren
1871—75  1876—80  1881—85  1886—90  1891  -95  1896—1900
100  121  104  89  75  84
In  allen  diesen  von  uns  angeführten  Erscheinungen,  in  einer  grossen
Getreideproduktion,  in  der  fortwährenden  Zunahme  der  Fläche  des  Saatfeldes ­
  und  des  gesamten  Ackerlandes,  in  einer  starken  Zunahme  des  Rohertrages ­
  drückt  sich  die  kapitalistische  Entwicklung  des  südrussischen
Ackerbaues  aus.  Diese  Entwicklung  im  Zusammenhang  mit  der  günstigen
Lage  in  Bezug  auf  den  Aussenmarkt  wirkt  ihrerseits  auf  eine  andere
ökonomische  Erscheinung,  die  für  den  Prozess  der  kapitalistischen  Entwicklung ­
  von  sehr  grosser  Bedeutung  ist.  Wir  verstehen  darunter  eine
starke  Steigerung  der  Bodenpreise  in  Neurussland.
Durch  den  grossen  Bedarf  an  Grund  und  Boden  bei  den  Bauern
einerseits  und  durch  den  starken,  unter  dem  Einfluss  der  Entwicklung
der  kapitalistischen  Produktionsweise  in  der  südrussischen  Landwirtschaft
sich  vollziehenden  Grundbesitzwechsel  anderseits  wird  in  den  neurussischen
Gouvernements  eine  so  grosse  Steigerung  der  Bodenpreise  hervorgerufen,
wie  in  keiner  anderen  Gegend  Russlands.  So  betrugen  die  Bodenpreise
pro  1  Dess.  im  Durchschnitt  in  den  Jahren:
1863—67  1868—72  1873—77  1878—82  1883—87  1888—92  1893  97
15,5  21,3  28,7  30,3  46,3  68,7  95,9
In  den  einzelnen  Gouvernements  sind  die  Bodenpreise  überall  bedeutend ­
  gestiegen.
Am  meisten  sind  die  Bodenpreise  in  den  neunziger  Jahren  in
Taurien  gestiegen  —  um  657  Prozent  —  also  haben  sie  sich  mehr  als
versechsfacht;  am  wenigsten  im  Dongebiete  —  um  192,8  Prozent.
Soviel  über  den  allgemeinen  Charakter  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse ­
  in  der  südrussischen  Landwirtschaft.  Fassen  wir  das  ganze,
hier  im  Vorstehenden  Angeführte  zusammen,  so  stellt  sich  die  Entwicklung ­
  der  Landwirtschaft  in  Neurussland  in  einer  sehr  starken  Zunahme
des  Ackerbaues  dar.  Die  Getreideproduktion  nimmt  fortwährend  zu,
indem  die  Flächen  des  Saatfeldes  und  des  Kornfeldes  sich  stark  vergrössern
  und  die  Roh-  und  Reinerträge  des  Getreides  und  die  Bodenpreise
            
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