Gründet Arbeitgeberverbände! I jr
in der letzten Zeit ausserordentlich viel von ihrer früheren
Geltung verloren, und die Sozialdemokratie stelle demgemäss
im Grunde nichts anderes vor als eine besonders extreme
Richtung innerhalb der Arbeiterbewegung. Dem gegenüber
wird man gut tun, sich an die Vorgänge zu erinnern,
die sich speziell während des letzten Jahres im sozialdemokratischen
Lager zugetragen haben.
Am 16. Juni waren zu Gunsten der sozialdemokratischen
Reichstagskandidaten mehr als 3 000 000 Stimmen abgegeben
worden. Gerade dieser ausserordentliche Erfolg der sozialdemokratischen
Agitation brachte eine grosse Anzahl von
Propheten auf die Beine, die sich in höchst optimistischer
Weise über den zukünftigen Entwicklungsgang des demokratischen
Sozialismus aussprachen, indem sie das Hauptgewicht
ihrer Argumentation auf den Erfahrungssatz legten, dass
»Riesen gemütlich seien«. Je gewaltiger die Zahl der sozialdemokratischen
Wahlstimmen anschwelle, meinten sie, um so
mehr werde auch die Einheitlichkeit der Gesinnung innerhalb
der Partei schwinden, und in Bälde würde es sich herausstellen,
dass der Einfluss derer, die im Gegensätze zu den
Vertretern des revolutionären Prinzips der Evolutionstheorie
das Wort reden, in dauernder Zunahme begriffen sei, zumal
ja unter den sozialdemokratischen Wählern sich ausserordentlich
viele Leute befänden, die zu ihrer Stimmenabgabe lediglich
veranlasst seien, weil sie der Verstimmung über wirtschaftliches
Missgeschick und andere üble Erfahrungen Ausdruck
zu verleihen wünschten. Nun kam, festlich eingeläutet von
den Freudenausbrüchen der sozialdemokratischen Partei über
den drei Millionensieg, der sozialdemokratische Parteitag
zu Dresden. Schon die Veröffentlichung der Tagesordnung
bedeutete für die Mauserungspropheten eine nicht unbeträchtliche
Enttäuschung. Und gleichzeitig machten sich die ersten
Anzeichen jenes heftigen Sturmes bemerkbar, der die Voraussetzungen
von der segensreichen Beeinflussung der radikalen
Elemente innerhalb der Partei durch die Parteiakademiker Bernsteinscher
Richtung bald wie die Spreu vor dem Winde ver-I)cr
Parteitag*
zu Dresden,,