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Gewerkvereine sehr begreiflicherweise in die schroff ablehnende
Stellung gegenüber dem Stücklohnsystem gedrängt wurden.
Behält man dies im Auge, dann gewinnt auch die Behauptung
der Arbeitgeber, dass das Prämiensystem doch auch sehr
im Interesse der Arbeitnehmer gelegen sei, den Schein ehrlicher
Ueberzeugung, denn in der Tat müssen die Arbeiter ein Zeitprämiensystem
mit unveränderlicher Grundzeitfestsetzung und festem
Prämiensatze einem Stücklohnsystem mit sinkender Stücklohnrate
auch dann vorziehen, wenn bei dem Prämiensystem dem
Arbeiter eine Quote des auf ein Stück ursprünglich entfallenden
Zeit- oder Stücklohnes entzogen wird.
Uebrigens sind auch in Deutschland aus Unternehmerkreisen
und aus Kreisen der Techniker Stimmen gegen das Prämiensystem
laut geworden, die hier in aller Kürze noch erwähnt sein
sollen. Der Geh. Marinebaurat Wiesinger trat auf Grund seiner
Erfahrungen für das einfache Werklohnsystem ein, das er auf
den von ihm geleiteten Betrieben eingeführt hat, und zwar durch
Festsetzung eines Tarifes, zu dem die Arbeiter Vertrauen gewonnen
hätten, weil er Aenderungen an demselben nur insofern
vorgenommen habe, als offenbar zu niedrige Sätze erhöht wurden
1 2 ).
Weit schärfer hat seine Bedenken ein anderer Autor aus der
Praxis geltend gemacht. Ausgehend von der Arbeit der Zeitkalkulation
meinte derselbe, zunächst werde sich doch eine Stabilität
der Leistungsfähigkeit entwickeln, und es werde dadurch
schon zu einem normalen Stücklohn kommen; anderseits sei dieser
aber auch kaum entbehrlich, da für Kalkulationsstücklisten doch
ein Mittelpreis zur Verwendung gelangen müsste, also ein fester
Stückpreis, womit man beim Stücklohnsystem angelangt sein werde.
Jedenfalls sei ein Uebergang vom Stücklohn- zum Prämiensystem
ganz verfehlt. Es sei übrigens durchaus nicht leichter, die Zeitdauer
zu bestimmen, die zu einer bestimmten Arbeit aufgewendet
werden darf, als den Preis, für den ein Stück hergestellt werden
kann. Beides sei Sache der Uebung weit mehr als der Rechnung,
und darin liege die Achillesferse: die Zahl der Treffer, die gleich
bei einem neuen Stück gemacht werden, sei nicht höher, wenn
man dem Arbeiter die Stunden ansagt, die er aufwenden darf,
als wenn man ihm den Preis ansagt, den er dafür erhalte. Der
1) Zeitschr. des V. d. Ing. 47. Bd. S. 1757.
2) Ebenda S. 1472*