Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

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I.  Teil.  Allgemeines.

Bedeutung  spannen  die  finanzielle  Kraft  der  Produktion  an.  Aber
nicht  alle  Produktionszweige  sind  gleich  tragfähig  in  dieser  Beziehung.
In  derselben  Zeit,  in  der  die  Industrie  sozialpolitische  Eingriffe  ertragen ­
  kann,  die  hohe  Anforderungen  an  ihre  finanzielle  Leistungsfähigkeit ­
  stellen,  kann  unter  Umständen  die  Landwirtschaft  außerstande
sein,  entsprechende  Lasten  auf  sich  zu  nehmen.  Ebenso  können  die
einzelnen  Zweige  jeder  großen  Erwerbsgruppe  zu  gleicher  Zeit  eine
sehr  verschiedene  Tragfähigkeit  zeigen.  Hier  macht  sich  der  Unterschied ­
  der  allgemeinen  Lage  der  einzelnen  Zweige  sehr  fühlbar.
Innerhalb  der  gewerblichen  Gütererzeugung  ist  überdies  die  Hausindustrie ­
  —von  seltenen  Ausnahmen  abgesehen  —  dauernd  von  beschränkter
Tragfähigkeit.  Dazu  tritt  der  Unterschied  zwichen  Groß-  und  Kleinbetrieben, ­
  kapitalkräftigen  und  kapitalschwachen  Unternehmungen.
Solche  Unterschiede  müssen  beachtet  werden.  Große  und  kapitalkräftige ­
  Unternehmungen  von  günstiger  Ertragsfähigkeit  gestatten
unter  sonst  gleichen  Verhältnissen  für  sozialpolitische  Eingriffe  einen
viel  größeren  Spielraum,  als  kleine  und  kapitalarme.  Was  jene  tragen
können,  kann  diese  unter  Umständen  erdrücken.  Die  Tragfähigkeit
wechselt  zudem  im  Laufe  der  Zeit,  und  für  die  Sozialpolitik  ergibt  sich
daraus  die  Notwendigkeit,  den  Zeitpunkt  für  die  Durchführung  ihrer  Maßnahmen ­
  vorsichtig  auszuwählen.  Die  günstigste  Zeit  dazu  ist  ohne  Frage
in  der  Hegel  die  Zeit  aufsteigender  Marktverhältnisse.  In  dieser  Zeit
werden  Selbst  große  Opfer  von  der  Produktion  willig  übernommen,  weil
sie  weniger  drücken.  In  Perioden  rückläufiger  Konjunkturen  könnte
die  Einführung  eben  so  großer  Lasten  leicht  dadurch  verhängnisvoll
werden,  daß  sie  die  Beschäftigungsmöglichkeit  der  arbeitenden  Klassen
einschränkt.  Damit  können  freilich  nicht  sozialpolitische  Maßnahmen
überhaupt  in  ungünstigen  Perioden  als  unzweckmäßig  bezeichnet
werden.  Die  sozialpolitische  Arbeit  an  sich  leidet  keine  völlige  Stockung.
Wohl  aber  ergibt  sich  daraus,  daß  es  zweckmäßig  ist,  in  ungünstigen
Zeiten  solche  Maßnahmen,  die  mit  großen  Opfern  für  die  Produktion
verbunden  sind,  zurückzuhalten,  bis  die  Verhältnisse  sich  wieder
günstiger  gestalten.
Soweit  die  sozialpolitischen  Eingriffe  mit  fühlbaren  Opfern  verbunden
sind,  führen  sie  zunächst  zu  einer  Verteuerung  der  Produktion.  Wird  diese
auch  später  durch  gesteigerte  Leistungsfähigkeit  wieder  ausgeglichen
so  ist  sie  doch  in  der  Anfangszeit  geeignet,  sowohl  auf  dem  inländischen  als
auch  auf  dem  ausländischen  Markt  die  Bedingungen  für  den  Wettbewerb
mit  fremder  Produktion  zu  beeinträchtigen  und  weiter  auf  dem  inneren
Markt,  sofern  auf  ihm  die  ausländische  Konkurrenz  nicht  in  stärkerem
Grade  als  vorher  wirksam  wird,  unter  Umständen  den  Verbrauch  zu
verteuern.  Die  letztere  Wirkung  setzt  voraus,  daß  die  Produzenten  die
ihnen  auferlegten  Opfer  ganz  oder  zum  Teil  auf  die  Verbraucher  durch
            
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