Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

502  IV.  Teil.  Wohlfahrtspolitik  in  bezug  auf  sonstige  Personen  usw.

des  Erreichbaren  mahnte,  wurde  nicht  selten  ohne  weiteres  als  Gegner
behandelt  und  heftig  angegriffen.  Allmählich  kam  die  Bewegung  in
ruhigeres  Fahrwasser.  Es  wurde  versucht,  einen  gangbaren  Weg  zur
Durchführung  der  Versicherung  zu  finden.  Die  einzelnen  Vorschläge
gingen  aber  sehr  weit  auseinander.  Im  weiteren  Verlauf  der  Dinge
wurde  Fühlung  mit  den  Regierungsorganen  und  parlamentarischen  Vertretern ­
  gesucht.  Man  fand  dort  keineswegs  grundsätzliche  Abneigung
gegen  ein  gesetzliches  Eingreifen,  aber  auch  den  Wunsch,  über
die  wirklichen  Verhältnisse  genauer  unterrichtet  zu  werden.  Dieser
Wunsch  begegnete  sich  mit  gleichartigen  Erwägungen  in  den  beteiligten ­
  Kreisen  selbst.  Die  Folge  war,  daß  die  beteiligten  Verbände  auf
Grund  eines  Fragebogens,  dessen  Inhalt  mit  amtlichen  Organen  erörtert ­
  worden  war,  mit  dem  15.  Oktober  1903  als  Ausfüllungstag  eine
statistische  Erhebung  Vornahmen.  Festzuztellen  war  hierbei  insbesondere ­
  Art  und  Höhe  des  Gehalts,  etwaige  Stellenlosigkeit  in  den  letzten
5  Jahren,  Beteiligung  an  der  reichsgesetzlichen  Invaliden-  und  Unfallversicherung, ­
  an  der  Lebens-,  Pensions-,  Witwen-  und  Unfallversicherung ­
  bei  Privatgesellschaften  oder  an  Pensions-  und  Witwenkassen
der  Firma  oder  endlich  die  anderweitige  Pensions  Versicherung  durch
Firma.  In  den  beiden  letzten  Fällen  war  die  Höhe  der  Beiträge
der  Privatbeamten  und  gegebenfalls  der  Firma  festzustellen.  Schließlich ­
  mußte  die  Gesamtausgabe  für  Versicherungen  angegeben  werden.
Die  Zahl  der  beantworteten  Fragebogen  ward  auf  150  000  geschätzt.
Der  Wert  der  Erhebung  wird  sich  im  einzelnen  erst  bei  der  Bearbeitung ­
  der  Fragebogen  übersehen  lassen.  Vom  Abgeordneten  Sittabt,
der  in  die  Bewegung  wiederholt  eingegriffen  hatte,  und  von  verschiedenen
anderen  Abgeordneten  der  Zentrumspartei  wurde  am  10.  Dezember
1903  im  Reichstage  der  Antrag  eingebracht,  daß  die  verbündeten  Regierungen ­
  in  eine  Prüfung  dieser  Erhebungen  eintreten  und  dem  Reichstage ­
  von  dem  Ergebnis  Mitteilung  machen  möchten.  Dem  wird  dadurch
entsprochen  werden,  daß  sich  das  Reichsamt  des  Innern  bereit  erklärt
hat,  sich  der  Bearbeitung.der  Fragebogen  anzunehmen.  Auf  eine  Feststellung ­
  der  tatsächlichen  Verhältnisse  zielte  auch  ein  2  Tage  vorher
—  am  8.  Dezember  1903  —  von  nationalliberaler  Seite  eingebrachter
Antrag.  Er  verlangte  „zur  Vorbereitung  einer  den  eigenartigen  wirtschaftlichen ­
  Verhältnissen  der  Privatbeamten  (Privatangestellten)  entsprechenden ­
  allgemeinen  obligatorischen  Alters-,  Invaliditäts-,  sowie
Witwen-  und  Waisenversicherung“  Erhebungen  durch  eine  Kommission
aus  Vertretern  der  Regierungen,  des  Reichstags,  der  beteiligten  Privatbeamten ­
  und  Privatbetriebe  und  der  Privatversicherungsanstalten  und
die  Bereitstellung  der  für  die  Erhebungen  nötigen  Mittel  durch  Nachtragsetat ­
  für  1904  und  forderte  weiter  bei  der  für  1905  ')  in  Aussicht

1)  Inzwischen  auf  1907  verschoben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.