504 IV. Teil. Wohlfahrtspolitik in bezug auf sonstige Personen usw.
nügendes bietet. Es wird sich kaum umgehen lassen, für diese die Er
gänzung der normalen Leistungen der Zwangsversicherung durch private
Versicherung Ader organisierte Selbsthilfe von vornherein mit ins Auge zu
fassen; das bedingt aber wieder Vorkehrungen gegen Überversicherung,
und in solchen Vorkehrungen wird ein Teil der Privatbeamten leicht einen
unerwünschten Eingriff in sein Selbstbestimmungsrecht erblicken. Da
sich — wie erwähnt — eine organisierte Selbsthilfe in beachtens
wertem Umfange entwickelt hat, wird Sorge getragen werden müssen,
daß die betreffenden Organe nicht in ihrer Entwicklung unterbunden
werden. Ob es möglich ist, sie an der Durchführung der eventuellen
reichsgesetzlichen Zwangsversicherung selbst zu beteiligen — etwa in
ähnlicher Weise wie die Hilfskassen bei der Krankenversicherung —
läßt sich noch nicht entscheiden. Die Überwindung aller solcher
Schwierigkeiten ist viel schwerer, als sich manche der Wortführer der
Bewegung vorzustellen scheinen. Die Schwierigkeiten zeigen sich
nicht, solange man das Ziel nur ganz allgemein bezeichnet oder nur
gewisse grundsätzliche Forderungen aufstellt. Erst bei der mühevollen
Kleinarbeit, die nötig ist, um solche Grundsätze in eine praktisch ver
wertbare gesetzgeberische Form zu kleiden, wird es klar, welche
Hindernisse und Widerstände aus dem Wege zu räumen sind.
19. Kapitel. Die Dienstboten.
§ 1. Allgemeine Gesichtspunkte. Die „häuslichen Dienstboten“,
d. h. die im Haushalt ihres Arbeitgebers lebenden Dienstboten, um die
es sich hier allein handelt, stellen eine keineswegs kleine Bevölkerungs
schicht dar, die freilich in den einzelnen Ländern und Bezirken eine
sehr verschiedene relative Bedeutung hat. In Deutschland hat die
Berufszählung von 1895: 1339 316 häusliche Dienstboten oder 6,1 % der
erwerbstätigen Bevölkerung (darunter 1313957 weibliche) ergeben
gegen 1324 924 (darunter 1282414 weibliche) im Jahre 1882. Bei der
deutschen Volkszählung vom 1. Dezember 1900 wurden 1337 721 Dienst
boten für häusliche Dienste ermittelt (2,5 °/o der Gesamtbevölkerung).
Davon lebten in Haushaltungen mit:
2 Personen
5
6
7 und 8
9 und 10
11 und mehr
72 576 = 2,0 %
145 544 = 2,4 °/o
182 884 =- 2,2 °/o
199 926 = 2,3 °/o
185 496 = 2,3 >
264 229 = 2,3 °/o
137 856 = 2,8 °/o
148 810 = 5,9% •
der ganzen in der Haushal-
tungsgruppe lebenden Be
völkerung
Das Bedürfnis, Dienstboten heranzuziehen, ist hiernach in kleinen
wie in großen Haushaltungen vorhanden. Aus dem Umstande, daß
erst bei den größten Haushaltungen der Prozentsatz größer wird, darf