fullscreen: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Aus dieser Aufgabe wird die Art seiner Entstehung, die Art seines 
Vorkommens, sein histologischer Charakter und seine physikalischen Eigen 
schaften verständlich. Was seine Entstehung anlangt, so stellt es an 
fänglich, im Hinblick auf seine ursprüngliche Aufgabe, ein Ausscheidungs- 
Produkt der Epithelien nach ihrer inneren Seite dar; späterhin be 
obachten wir dann seine Bildung durch direkte Umwandlung einzelner 
Zellen in solches Bindegewebe, so daß also die Bindesubstanzen histo- 
logisch als Jnterzellularsubstanzen oder als Plasmaprodukte angesprochen 
werden müssen. Mit dem Wachstum der einzelnen Tiere und Organe 
und mit der Vervollkommnung ihrer Organisation erweitert sich die 
Aufgabe der Bindesubstanzen dahin, daß sie die verschiedenen Teile der 
Organe und auch die verschiedenen Organe des Tierkörpers miteinander 
verbinden, d. h. die an sie gestellten Anforderungen werden jetzt haupt 
sächlich solche der Festigkeit. 
Demgemäß sehen wir denn auch in den ursprünglich gallertigen 
Bindesubstanzen feste und mehr oder weniger elastische Fasern und 
Bindesubstanzfibrillen auftreten, welche ursprünglich wirr durcheinander 
liegen, und welche mit steigender Organisation in dem Maße, als 
die an sie gestellten Anforderungen der Festigkeit steigen, sich zu 
immer größeren Bündeln parallel liegender Fasern gruppieren, zwischen 
welchen als letzte Reste der sie erzeugenden Zellen die sog. Binde 
substanzkörperchen mehr oder weniger regelmäßig angeordnet sind. 
Die Hauptmasse dieser Bindesubstanzen sind also Plasmaprodukte, und 
zwar entstanden als das Ergebnis einer in Hinsicht auf Festigkeit 
ins Extrem getriebenen Arbeitsteilung im tierischen Körper. Daher 
werden wir uns nicht wundern, daß die Klasse der Bindesubstanzen 
die festesten im tierischen Körper vorhandenen Gewebe umfaßt, und 
daß wir die höchste Festigkeit auch in den Bindesubstanzen höchster 
Ordnung, nämlich im „Bindegewebe" — dem eigentlichen Gegenstand 
des Gerbeprozesses im engeren Sinne —, sowie in den Knorpeln und 
Knochen der Wirbeltiere antreffen. 
Was nun weiter das Vorkommen dieser Bindesubstanzen anlangt, 
so besitzt der tierische Körper gewisse Stellen, welche nach ihrer Lage 
beziehung oder nach ihrer Aufgabe ganz allgemein durch den Besitz 
besonders fester Bindesubstanzen ausgezeichnet sind. Ein solches im 
Innern des Körpers vorhandenes und fest mit Bindesubstanzen um- 
scheidetes Organsystem stellt das Verdauungssystem dar. So wird es 
uns verständlich, daß man das Darmrohr sogar mancher Wirbeltiere 
wegen seiner außerordentlichen Festigkeit bei geringem Substanzauswand 
zur Verwendung heranzieht. Im allgemeinen ist aber der Verdauungs 
apparat der wirbellosen Tiere zu klein, als daß er technischen Zwecken 
in weiterem Maße dienen könnte. Ausgedehntere Anwendung finden
	        
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