Full text : Organisierte Arbeit

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lichkeit  von  Probesendungen,  und  dann  in  der  Unmöglichkeit,  die
Produktion  einzuschränken;  ja  eine  geringere  Nachfrage  wirft
sogar  in  Gestalt  der  Frauen  schlecht  bezahlter  Männer  noch
mehr  Angebot  auf  den  Markt.  Ist  es  weniger  gerechtfertigt,
dass  der  Arbeiter,  wenn  er  mit  Hilfe  seiner  Gewerkschaft  einige
Besserungen  seiner  Arbeitsbedingungen  erreicht,  wie  es  einige
unverständige  Unternehmer  nennen  „sich  in  ihre  Geschäfte  einmischen“
  —  als  die  Einmischung  des  Unternehmers  in  die  Lebenslage ­
  nicht  nur  des  einzelnen  Arbeiters,  sondern  der  ganzen  Klasse,
wenn  er,  was  im  Einzelvertrag  nur  nicht  ausgesprochen  ist,  nach
Willkür  die  Kate  der  Todesfälle  und  Verletzungen  in  seinem
Betriebe  regeln  kann  und  der  wohlmeinendere  Unternehmer
durch  die  Konkurrenz  des  gewissenloseren  dazu  gezwungen  wird,
seine  eigenen  Moralanschauungen  den  Geschäftsrücksichten  hintanzusetzen ­
  ?

13.  KAPITEL.
Die  Unterstützungskassen  der  Gewerkschaften. ­

Der  unmittelbarste,  wenn  auch  nicht  grösste  Vorteil  der
Gewerkschaften  erwächst  dem  Arbeiter  aus  der  Versicherung
gegen  Todesfall,  Verunglückung,  Krankheit  und  bisweilen  auch
Arbeitslosigkeit.  Vor  allem  im  Anfang  sind  die  Gewerkschaften
oft  ganz  aus  Unterstützungsvereinen,  den  friendly  societies,  hervorgegangen. ­
  Dies  Versicherungswesen  hatte  in  England  seinen
Höhepunkt  bereits  erreicht,  als  die  verhältnismässig  jüngeren
amerikanischen  Organisationen  trotz  steter  Fortschritte  in  dieser
Richtung  noch  kein  sehr  ausgebildetes  System  besassen.  Jedenfalls ­
  kann  man  das  amerikanische  Versicherungswesen  aber  nicht
verstehen,  wenn  man  es  nicht  im  Rahmen  der  gewerkschaftlichen
Wirtschaftspolitik  betrachtet.  Dies  zeigt  sich  besonders  bei  der
Arbeitslosen-Unterstiitzung.  Diese  soll  nicht  als  Wohltat  wirken,
sondern  den  Arbeiter,  dem  ein  schlechter  Lohn  angeboten  wird,
instand  setzen,  so  lange  zu  warten,  bis  er  den  Gewerkschaftslohn
erhalten  kann.
            
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