fullscreen : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Zur  Erinnerung  an  Heinrich  Wehberg.

VII

der  Gegenwart  und  Zukunft  zu  leben.  Wohl  muß  die  größte
Kraft  den  Aufgaben  des  Tages  gehören,  aber  in  Feierstunden
soll  sich  der  Blick  zurückwenden  in  die  goldenen  Tage  der
ersten  Begeisterung,  wo  Männer  mit  unerschütterlichem  Vertrauen ­
  auf  ihre  gute,  große  Sache,  wenn  auch  unpraktischen
Sinnes,  zum  ersten  Male  die  Wahrheit  verkündeten.  Wer
sich  näher  mit  dem  Leben  dieser  ersten  Reformer  befaßt,
empfindet  eine  ehrfurchtsvolle  Hochachtung  vor  der  Charakterfestigkeit ­
  und  der  nie  ermüdenden  Standhaftigkeit
dieser  Idealisten,  die,  abgewandt  von  den  Aufgaben  des
Alltags,  für  die  großen  Ziele  des  Vaterlandes  und  der  Menschheit ­
  wirkten.  Man  wird  solchen  Männern,  und  seien  sie
noch  so  verträumt,  nie  damit  gerecht,  daß  man  sie  als
heillose  Utopisten  verspottet.  Denn  haben  sie,  wie  dies
bezüglich  der  Bodenreformer  ganz  gewiß  zutrifft,  bei  ihrer
Mitwelt  eine  gewisse  Beachtung  gefunden,  so  haben  sie
die  Diskussion  einer  wichtigen  Frage  veranlaßt.  Und
schließlich  sind  doch  zahlreiche  heutige  Bodenreformer
in  erster  Linie  durch  jene  Vorkämpfer  gewonnen  worden.
Muß  somit  nicht  schon  die  Pflicht  zur  Dankbarkeit  dahin
führen,  jener  Männer  mehr  zu  gedenken,  als  dies  heute  der
Fall  ist?  Ferner  ist  es  gewiß,  daß  das  Beispiel  der  Begründer ­
  der  deutschen  Bodenreformbewegung  in  hohem
Maße  auf  die  jüngeren  Anhänger  dieser  großartigen  Reformbewegung ­
  aneifernd  und  begeisternd  wirken  wird.  An
dem  Idealismus  der  Alten  werden  sich  die  heutigen  Bodenreformer ­
  stählen  und  die  Kraft  für  den  Kampf  gegen  die
organisierten  Gegner  gewinnen  können.
Der  Erinnerung  an  die  ersten  Jahre  des  Bundes  für
Bodenbesitzreform  werden  sich  daher  die  heutigen  Bodenreformer ­
  mehr  als  bisher  widmen  müssen,  und  gerade  die
fünfundzwanzigjährige  Wiederkehr  des  Gründungstages  soll
dazu  die  erste  Veranlassung  bieten.  Hoffentlich  wird  man
bald  daran  gehen,  besonders  auchFlürscheim  ein  bleibendes
            
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