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bei- Industrie Kräfte zu entziehen und das schon vorhandene chro
nische Ueberangebot an Heimarbeiterinnen unnütz zn vergrößern.
Denn so paradox das klingen mag, nicht wenig Frauen werden aus
Bequemlichkeit Heimarbeiterinnen. Es ist bequemer, Sandsäcke zu
nähen oder sonst eine leichte Heimarbeit zu betreiben, ohne sich an die
Stunde zu binden und sich für den Gang zur Arbeitsstätte ordent
lich anzukleiden, als eine fest geregelte und vielleicht körperlich an
strengendere Arbeit außerhalb des Hauses zu übernehmen. Haben
solche Personen erst einmal Geschmack an der Heimarbeit gefunden,
geben sie sie nicht so leicht wieder auf, und von allen Arbeitsnach
weisen wird die Tatsache bestätigt, daß gleichzeitig für sonstige Ar
beiten Mangel an Arbeiterinnen und für Heimarbeit ein
Ueberangebot besteht, das sich in keiner Weise immer durch
körperliche Schwächlichkeit oder häusliche Bindung rechtfertigen läßt.
Das ist ein Zustand, dem aus volkswirtschaftlichen und erzieherischen
Gründen mit allem Nachdruck entgegengearbeitet werden muß.
Junge, leistungsfähige Mädchen, kinderlose Frauen leisten volks
wirtschaftlich viel Werwolleres im geschlossenen Betrieb und dürfen
ihm nicht entzogen werden. Auch gibt es grade für die „Heimarbeite-
rin aus Bequemlichkeit" nichts Erziehlicheres, als die geregelte Ta-
geseinteilung der Fabrik, der Zwang, sich auch am Alltag zu waschen,
511 kämmen und schon morgens früh ordentlich anzuziehen! Ja es ist
zu hoffen, daß der große Arbeitsrythmus, in den sie in der Fabrik
gestellt wird, -auch auf ihr häusliches Leben zurückwirkt.
Für die „halben Kräfte" sollte dagegen Dauerbeschäftigung
durch die gemeinnützigen Vereine erstrebt werden. Damit kann
Frauen und Mädchen, die eines Nebenerwerbes, der „den Kessel
kochen macht", dringend bedürfen, aber aus irgend welchen Gründen
ans Haus gefesselt sind, eine wertvolle Hilfe geleistet werden. Ge
rade sie sind vielfach die ärgsten Lohndrücker -und fallen jedem
Schwindler, der ihnen „lohnenden Nebenerwerb" verspricht, zum
Opfer. Vielfach an der Grenze der Armenpflege stehend, können
sie durch Gewährung voll Arbeit auf eigene Füße gestellt werden,
was nicht nllr iil finanziellen Interesse zu begrüßen ist.
Die Feststellung der Beidürftigkeit erfolgt teils nach einem
festen Schema unter Berücksichtigung der Veranlagung
Seimarbeit im Kriege 8