36 Drittes Kapitel. Die Geldiiteratur und der Versuch, zu Ende zu denken.
gehört hierher. Doch hat Knapp gerade die Anweisungs
theorie weniger entwickelt denn als Axiom vorausgesetzt.
Der Metallismus ging aus vom sichtbaren und technisch
verwertbaren Stoff; indem er hierin das Wesen des Geldes
erblickt, sieht er eine Anomalie in denjenigen Phänomenen,
die diesen Stoff vermissen lassen (Papiergeld). Die An
weisungstheorie geht aus von der unsichtbaren Funktion;
indem sie in ihr das Wesen des Geldes erblickt, erscheint ihr
der technisch verwertbare Stoff als unwesentlich 1 , und ge
rade die Phänomene zeigen nach ihr am klarsten und charak
teristischsten das Wesen des Geldes, die ihn vermissen
lassen.
Lassen wir jetzt unsere Autoren selbst reden. Buquoy
geht davon aus (S. 10), das Geld habe an und für sich
keinen Wert, es wirke nicht wie andere Gegenstände seiner
Natur und Wesenheit nach auf Erzeugung, sondern bloß durch
die mit dem Gelde verbundene Meinung der Menschen. »Man
darf sagen: Wer mit Getreide bezahlt wird, ist wirklich be-
] Bei vielen Vertretern der Anweisungstheorie findet sich der Satz
»das Geld habe keinen eigenen Wert«, ja dieser Satz kann geradezu als
eine bloße Umschreibung des Ausdrucks, daß das Geld ein bloßes Zeichen
sei, aufgefaßt werden. Indessen ist der erste Satz doch vorsichtig zu inter
pretieren, wenn man seinen Vertretern nicht unrecht tun will. Wahr ist,
daß zunächst alle Vertreter der Anweisungstheorie den eigenen Wert des
Metallgeldes skeptischer betrachten als die Metallisten. Soweit sie ihn zu
gestehen, leiten sie ihn zum größten Teil vom Geldgebrauch, von der
Nachfrage zu Geldzwecken her, und sind deshalb überzeugt, daß der Wert
der Metalle auf ein Minimum reduziert werden würde, wenn Demonetisierung
einträte. Im übrigen ist ihre Stellung zum Wert des Geldes eine verschie
dene. Otto Heyn, ein extremer »Chartalist«, gesteht dem Gelde doch
einen Wert zu, aber dieser Wert liegt nach ihm nicht im Stoffe, sondern
besteht unabhängig davon durch die Funktion. Wenn Buquoy und
Oppenheim dem Gelde prinzipiell eigenen Wert absprechen, so ist damit
bloß die fehlende Konsumtionsmöglichkeit des Geldes (im Vergleich zu
Genußgütern und Gebrauchsgütern) gemeint. Auch Knapp leugnet nicht,
daß das Metallgeld wertvolle Platten hat, er behauptet nur, daß der Stoff-
wert dieser Platten gleichgültig sei für den Begriff_de§_Qeldes. ln Wirk
lichkeit bildet er den Begriff des Geldes so, daß dieser den Stoffwert der
Platten nicht als wesentlich mit umfaßt. Dies kommt zum Teil auf einen