Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Dritter Teil. Industrie. 
Weltmarkt hinaustreten, also z. B. nicht die ungeheueren Quantitäten, die in Ostindien 
von den Eingeborenen produziert, aber auch an Ort und Stelle konsumiert werden. 
Ebenso ist für China und andere Länder nur das Quantum in Rechnung gestellt, das 
in den auswärtigen Landet übergeht. Auf absolute Zuverlässigkeit haben die Zahlen 
daher keinen Anspruch. Wir halten uns dabei an die Schätzungen der „Deutschen 
Zuckerindustrie". 
Der Zucker der nordischen Runkelrübe, anfangs als Konkurrent kaum beachtet, 
hat also das Produkt des tropischen Zuckerrohrs immer mehr auf dem Weltmärkte 
bedrängt und in den letzten Jahrzehnten dauernd das Übergewicht erlangt, so daß er 
schließlich genau zwei Drittel des Wcltbedarfs zu decken vermag, während er noch vor 
30 Jahren kaum ein Drittel dazu beisteuerte. 
Ob es dem Rübenzucker gelingen >vird, trotz der scheinbaren Überlegenheit des 
tropischen Klimas und Bodens auch ferner diese Stelle zu behaupten, hängt von den 
mannigfachsten Verhältnissen ab, — von der technischen Leistungsfähigkeit des Rüben 
baues und der Rübenverarbeitung ebenso wie von der politischen und wirtschaftlichen 
Entwickelung der Kolonien, nicht zum mindesten aber von der Gestaltung der Besteuerung 
des Zuckers in den europäischen Kulturstaatcn. Denn kaum eine andere Industrie ist 
in ihrer Entwickelung so sehr wie diese von der Art und Löhe der auf ihr lastenden 
Steuer abhängig gewesen und zum Teil noch heute abhängig. 
9. Die Konfektionsindustrie. 
Von Werner Sombart. 
Sombart, Die deutsche Volkswirtschaft im tJ. Jahrhundert. Berlin, Georg Boudi, $0;. 
S. 337—3^0. 
Während von den beiden großen Bekleidungsgewerben die Schuhmacherei immer 
nur in einzelnen Artikeln und vorübergehend hausindustriell organisiert war, von Anfang 
an aber auch in fabrikmäßiger Organisation erscheint, — 1849 gab es in Erfurt, der 
damals bedeutendsten Schuhmacherstadt Preußens, bereits 5 Schuhwarenfabriken oder 
wenigstens Großbetriebe, mit zusammen 148 Personen, und ähnliche Ziffern werden 
uns für jene Zeit aus Kalau, Mainz und Frankfurt a. M. berichtet — während heute 
die kapitalistische Schuhinacherei (und das ist für Neuarbeit sicher der bei weiten: über 
wiegende Teil des gesamten Schuhmachergewerbes) fast ausschließlich fabrikinäßig 
bettieben wird, hat die Schneiderei von jeher und bis heute noch eine besondere Vor 
liebe für hausindustrielle Organisation an den Tag gelegt. 
Die Anfänge der Konfektionsschneiderei reichen in Deutschland in die 
1840 er Jahre zurück. Gerson, eines der ersten großen Konfektionsgeschäfte, ist 1842 
begründet. 1852 beschäftigte es schon 5 Landwerksmeister, 3 Directricen, 120—140 
Arbeiterinnen in der Werkstatt, 150 Meister mit je 10 Gesellen außer dem Lause, 
100 Kommis, Aufseher usw. im Verkaufslokal. Ende der 1840 er Jahre unternimmt 
die Berliner Kleiderkonfektion ihren ersten schüchternen Schritt aufs Land. In München 
wurde die Befugnis zum Verkauf fertiger Kleider erst 1847 freigegeben. Nun erst 
entstanden große Kleiderhandlungcn. Nebenbei bemerkt: diese ersten Äußerungen 
kapitalistischen Lebens im Gebiet der Bekleidungsgewerbe erfolgten ohne jede Ver 
änderung der Technik: 1854 kommt die erste Nähmaschine nach Deutschland, die 
übrigens auch nur wenig Einfluß auf Betriebs- und Wirtschaftsorganisation ausgeübt 
hat, — würde sie doch jedem Landwerker ohne weiteres zugänglich sein. Lier wie in
	        
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