Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3. Die politischen Wirkungen des Zollvereins. 
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noch nie dagewesene Ausgabe, ein Landelsgebict für zwei selbständige Staaten her 
zustellen, zuerst im kleinen gelöst; hatte Baden, sei es nun mit oder ohne Willen, 
dadurch, daß es einen größeren süddeutschen Zollverein, der eine Verbindung mit 
Preußen sehr erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht hätte, verhinderte, Gutes gewirkt; 
hatten die beiden Lessen durch ihren Anschluß an Preußen die Brücke zwischen Norden 
und Süden geschlagen, so hatte Preußen das nicht zu unterschätzende Verdienst, daß 
es eine möglichst vollständige und rasche Erreichung des großen Zieles sicherte, indem 
es sein bereits bewährtes Zollgebiet als Muster bot, indem es den übrigen Staaten 
Zugeständnisse machte, indem es namentlich die volle Rechtsgleichheit aller unmittelbaren, 
an politischer wie wirtschaftlicher Bedeutung doch so sehr verschiedenen Glieder des 
Zollvereins bereitwillig anerkannte und selbst finanzielle Opfer brachte. 
Ich habe absichtlich etwas länger bei diesem folgenschweren Augenblick der Deutschen 
Geschichte verweilt, weil eben nicht oft genug wiederholt werden kann, welch großartige 
deutsch-patriotische Tat das Jahr 1834 bezeichnet, eine Tat, welche wohl mit jener des 
Jahres 1870—1871 zu vergleichen ist, ja ohne welche wahrscheinlich diese zweite nicht 
möglich geworden wäre. 
Es war mit der Gründung des Deutschen Zollvereins ein Zustand für das 
deutsche Landels- und Verkehrsleben erworben, der ein seit Jahrhunderten gefühltes 
Bedürfnis befriedigte, alte, vor kurzem noch viel belächelte Ideen und Pläne ver 
wirklichte; es wurde ein Nationalbedürfnis gestillt, das deutsche National 
bewußtsein ins Leben gerufen, eine nationale Wirtschaftspolitik ermöglicht. 
3. Die politischen Wirkungen des Zollvereins. 
Von Leinrich v. Treitschke. 
v. Treitschke, Die Anfange des Deutschen Zollvereins. In: preußische Jahrbücher, 
herausgegeben von v. Treitschke und lvehrenpfennig. so. Bd. Berlin, Georg Reimer, t872. 
S. sgs—6g7. 
Die politischen Wirkungen des Zollvereins sind, dank der unvergleichlichen Schwer 
fälligkeit des deutschen Staatslebens, nicht so rasch und nicht so unmittelbar eingetreten, 
als manche kühne Köpfe meinten. Schon ums Jahr 1830 hoffte Lansemann, ein 
Parlament des Zollvereins und daraus vielleicht einen Deutschen Reichstag erstehen 
zu sehen, und lvie viele andere wohlmeinende Patrioten haben nicht ähnliche Erwartungen 
an den Deutschen „Zollstaat" geknüpft. Wir wissen heute, daß solche Träume sich 
nicht erfüllten. Der Landelsbund war kein Staat, bot keinen Ersatz für die mangelnde 
politische Einheit, er konnte noch durch Jahrzehnte fortdauern, ohne die Lüge der 
Bundesverfassung zu zerstören. Als Minister du Thil im Jahre 1827 seinem Groß 
herzoge den Rat gab, jenen entscheidenden Schritt in Berlin zu wagen, da hat er - 
so erzählt inir ein hessischer Staatsmann, der das Aktenstück kennt, — in ausführlicher 
Denkschrift offen ausgesprochen: „Wir dürfen uns nicht darüber täuschen; indem wir 
den Landelsbund schließen, verzichten wir auf die Selbständigkeit unserer auswärtigen 
Politik; bricht ein Krieg aus zwischen Österreich und Preußen, so ist Lessen an die 
preußischen Fahnen gebunden." Desgleichen Dahlmann, der nach seiner großen und 
tiefen Art den Zollverein sofort als das einzige deutsche Gelingen seit den Befreiungs 
kriegen begrüßte, erklärte zuversichtlich, der Landelsbund stelle uns sicher vor die Wieder 
kehr bürgerlicher Kriege. Auch diese Weissagungen sind nicht buchstäblich eingetroffen.
	        
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