Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

10. Eisenbahntarifunwescn. 
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ander abgetrennt werden. Oft sind Eintragungen nötig, die die Abfertigung an dem 
Schalter verzögern. Da mit Fahrkarten ein schwunghafter und keineswegs lauterer 
Lande! betrieben wird, so ist die Kontrolle sehr intensiv und oft recht lästig. Bei 
Unterbrechung der Fahrt muß man sich schon im Zuge vom Kondukteur einen Schein 
(stop over) geben lassen, muß unter Vorzeigung desselben die Fahrkarte dem Schalter 
beamten gegen Quittung zur Aufbewahrung übergeben und gleichzeitig seine Unter 
schrift hinterlegen. Lolt man die Fahrkarte ab, so muß man seine Unterschrift zur 
Legitimation wiederholen. In den, Wagen selbst erhält man in vielen Fällen bei 
Abgabe der Fahrkarte eine besondere Kontrollkarte. 
Die Gepäckbeförderung ist wiederum sehr bequem eingerichtet. Zeder Passagier 
hat 150 Pfund (amerikanisch) frei, er erhält gegen Vorzeigung seiner Fahrkarte einen 
einfachen mit Nummer versehenen Check, den er vor der Ankunft auf der Bestimmungs 
station noch im Zug einem Beamten der Expreßkompagnie, der den Zug begleitet, zur 
unverzüglichen Beförderung des Gepäcks in ein bestimmtes Lotel oder die Wohnung 
übergeben kann. 
Die Züge fahren im allgemeinen sehr ruhig, ruhiger wie die meisten unserer 
Schnellzüge, was neben der guten Bauart der Wagen der dichten Beschwellung des 
Oberbaues zuzuschreiben sein dürfte. Die Pünktlichkeit der Züge ließ nach meinen 
Erfahrungen nichts zu wünschen übrig. Fahrpläne gibt jede Gesellschaft für ihre 
Strecken aus, sic sind an den Schaltern und in den Lotels unentgeltlich zu haben. 
Der Verkehr auf den Bahnhöfen erfordert größere Aufmerksamkeit des Publikums 
als bei uns sowohl hinsichtlich der persönlichen Sicherheit — es fehlen fast überall 
Unterführungen — als auch hinsichtlich der Wahl des richtigen Zuges und der 
Beobachtting der Abfahrtszeit. Indessen muß ich bekennen, daß mir die Erziehung 
des Publikums zu größerer Selbständigkeit und das geringere Hervortreten der 
Beamtenschaft recht gut gefallen hat. Dagegen muß der Mangel an genügenden 
Sicherhcitsmaßregeln gerügt werden. Neuerdings bemüht man sich, in dieser Hinsicht 
mehr zu tun infolge der zahlreichen Hinglücksfälle, cbensowie man auf die Ausstattung 
der Bahnhöfe größeren Wert legt, so daß neben den zahlreich, auch in großen Städten, 
vorhandenen Bahnhofsbaracken auch einige stattliche Gebäude bereits entstanden sind, 
wie in New Bork, St. Louis und Philadelphia. 
10. Eisenbahntarifunwesen. 
Von Alfred von der Leyen. 
von der Leye», Die Finanz- und Verkehrspolitik der nordamerikanischen Eisenbahnen. 
2. Aiifl. Berlin, Julius Springer, ,895. S. >2,—,22, S. ,25—,27, 5. ,29, S. ,30-,3, und 
S. ,35—,3(5. 
Alle Erhebungen über die Eisenbahntarifverhältnisse der Vereinigten Staaten 
haben eine Lücke, die sich nicht ausfüllen läßt. Sic können sich nur erstrecken auf 
die bekannten Tatsachen. Es ist aber ein offenes Geheimnis, daß für die Beförderung 
im Personen- und Güterverkehr neben den veröffentlichten noch Bedingungen gelten, 
die die Eisenbahnen von Fall zu Fall mit dem einzelnen Verfrachter vereinbaren, und 
die sich der allgemeinen Kenntnis entziehen. Es ist ferner bekannt, daß die Erwäge 
aus der Eisenbahnbeförderung auch dadurch geschmälert werden, daß die Eisenbahnen 
gezwungen sind, an eine Schar von, ich möchte sagen, Eisenbahnschmarotzern, die sog. 
Agenten, einen nicht unerheblichen Tribut zu zahlen. 
Mollat, Volkswirtschaftliches Lesebuch. 
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