Full text: Die Reichseisenbahnen

19 
sie von öffentlichen Körperschaften betrieben werden, sind sie in der Regel 
in der Hand der Städte und Kreise. Bei der modernen Entwicklung 
des lokalen Verkehrs sind diese Verkehrsbezirke zu klein. Eine Zu 
sammenfassung tut not, namentlich in den gewerbereichen und dichter 
besiedelten Landesteilen. Als größere Verkehrs- und Verwaltungsbezirke 
ergeben sich in Preußen naturgemäß seine alten historischen Provinzen. 
In den übrigen Bundesstaaten würde der Staatsbereich als Ganzes 
einen einheitlichen Verkehrs- und Verwaltungsbezirk für die Kleinbahnen 
abgeben. Das Gebiet kleinerer Bundesstaaten wäre einem Nachbar 
bezirk anzugliedern. 
Hiernach bliebe also der Lokalverkehr der Regelung durch die Einzel 
staaten, in Preußen durch die Landesteile (Provinzen) überlassen. Die 
örtlichen Bedürfnisse und Eigentümlichkeiten würden also auf dem Ge 
biete des Lokalverkehrs durch autonome Verwaltung in demselben und 
in noch weiterem Maße wie bislang gesichert. 
Ähnliches ist aber auch auf dem Gebiete des allgemeinen Verkehrs 
möglich, der künftig unter die Verwaltung des Reiches fällt. Zwei 
Mittel sind hierzu gegeben: Einmal in dem Ausbau der Eisenbahn- 
räte, die schon jetzt bei allen deutschen Eisenbahnverwaltungen bestehen, 
sodann in Maßnahmen auf organisatorischem Gebiet, durch einen Neu 
aufbau der Organisation nach den Grundsätzen der S e l b st v e r w a l - 
tung und der Dezentralisation. Von diesen Grundsätzen 
werden die Vorschläge getragen, die in den folgenden Kapiteln zu be 
handeln sind. 
Hier bleiben die Grundlagen der finanziellen Auseinandersetzung 
zwischen dem Reiche und den Bundesstaaten bei der Übernahme der 
Eisenbahnen zu erörtern. ' 
In jedem Falle, ob nun das Eigentum der Eisenbahnen an das 
Reich übergeht oder den Bundesstaaten verbleibt, ist eine Bewertung 
des Eisenbahnbesitzes der vertragsschließenden 
Teile erforderlich. Das ist unumgänglich, wenn das Risiko auf die 
Reichsverwaltung übergeht. Eine solche Bewertung hat denn auch bei 
der Begründung der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft statt 
gefunden. Sie stieß damals auf besondere Schwierigkeiten, weil sie mit 
der Verstaatlichung der hessischen Eisenbahnen zusammenfiel und ein 
brauchbarer Vergleichsmaßstab in der Buchführung beider Netze, des 
preußischen und des hessischen, fehlte. 
Das liegt jetzt bei einer Auseinandersetzung zwischen Reich und 
Bundesstaaten anders. Sie würde ihre Grundlage in dem Erkragswerle 
der Eisenbahnen finden können. Die Buchführung der deutschen Staats 
bahnen ist nach einheitlichem Muster, dem sogenannten „Normal 
buchungsschema" des Reichseisenbahnamts geordnet. Die in der Statistik 
dieses Amts gegebenen Zahlen, wie die übrigen Buchungsziffern, geben 
2»
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.