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der Zuteilung von Fernsprechern und modernen Bureauhilfsmitteln wäre
weitherziger als bisher zu verfahren, wo die Fürsorge der Oberrechnungs
kammer sich bis auf die Verwendung von Tintenlöschern und Akten
schwänzen erstreckt. Es muß überall die Erkenntnis durchdringen, daß
Ersparnisse an lebendiger Arbeit die wirtschaft
lichsten sind und die Ausgaben für mechanische Hilfs
mittel weit aufwiegen.
In gleicher Richtung wie die bisherigen Vorschläge könnte letzten
Endes eine veränderte Gehalls- und Lohnpolitik wirken. Ein
schwerwiegender Übelstand der Staatsbetriebe in der herkömmlichen
Form ist es, daß der Beamte an den wirtschaftlichen Ergebnissen seiner
Verwaltung nicht im mindesten mit dem eigenen Geldbeutel interessiert
ist. Hoch anzuerkennen ist, daß der gesunde Staatsgeist der Überliefe
rung eine sehr große Zahl der Beamten so eifrig über das Interesse
ihrer Verwaltung wachen läßt, als wäre es ihr eigenes. Aber man
verkenne nicht, daß dieser überlieferte Geist schon heute nicht die Kraft
hat wie früher. Der zügellose Egoismus der Kriegszeit und Nachkriegs
zeit wird weiter zersetzend wirken. Davor die Augen verschließen zu
wollen, wäre zwecklos. Vielmehr sollte man auf Gegenmittel sinnen.
In der preußischen Bergwerksverwaltung hat man auf
Grund der Ergebnisse einer eingehenden parlamentarischen Untersuchung
Maßnahmen getroffen, die brauchbare Anhaltspunkte geben können. Man
hat den leitenden Beamten der Betriebsverwaltung G e w i'n n -
a n t e i l e, anderen Veamtengruppen Prämien gewährt. Ich möchte
weiter gehen.
Namentlich an den leitenden Stellen kommt es darauf an, Männer
von starker Leistung und hochgespanntem Verantwortungsgefühl zu
haben. Das ist mit dem heutigen System nicht zu erreichen. Der
höhere Beamte wird heute nicht mit Gegenwarts
werten, sondern mit Aussichten bezahlt. Tüchtige Lei
stungen in jüngeren Jahren werden durch „Qualifikation" entgolten,
das heißt durch die Aussicht, im Alter in hohe Stellungen einzurücken.
Das Gefühl, durch weiteres Hervortreten und tatkräftiges Handeln etwa
Anstoß zu erregen und die einmal errungenen Aussichten zu gefährden,
wirkt auch auf tatkräftige Naturen lähmend. Denn wie leicht wird der
tatkräftig Handelnde unbequem!
In diesen — ich möchte sagen, gesetzmäßigen — Zusammenhängen
kann man nur durch grundsätzliche Änderungen des Systems Wandel
schaffen. Man muß die leitenden Männer von der Sorge um ihre
Zukunft befreien, sie mit Gegenwartswerten bezahlen und
ihr Interesse demgemäß auf das von ihnen verwaltete Amt zusammen
drängen. Das geschieht meines Erachtens am besten durch zweierlei.
Man st eile sie wie die Bürger in ei st er nur auf be-