Full text: Die englische Agrarenquete von 1913

Fünfter Teil. 
Erstes Kapitel. Genossenschaftswesen. 
Tas Genossenschaftswesen hat eine leitende Nolle in dem land 
wirtschaftlichen Aufschwang des Kontinents und Irlands gespielt. In 
Großbritannien nimmt es noch einen relativ' unbedeutenden Platz ein. 
Unsere Landwirte, insbesondere die Small Holders, fangen jedoch an, 
die Notwendigkeit des Zusammenschlusses einzusehen und das Land 
wirtschaftsministerium und die Development Commission zusammen 
mit der Agricultural Organisation Society bemühen sich redlich, 
dem Bedürfnis Rechnung zu tragen. Mehr und mehr begreift man 
auch bei uns, daß das Genossenschaftswesen in Ankauf, Produktion 
und Verkauf das beste Mittel darstellt, um den kleinen Farmern alle 
Vorteile der großen kaufmännischen Organisationen zu verschaffen. 
I. B. Cahill hat dem Landwirtschaftsminister über das landwirt 
schaftliche Kredit- und Genossenschaftswesen in Deutschland berichtet. 
Er kommt zu dem Schluffe, daß Kooperation in der Landwirtschaft 
heute ebenso eine Weltbewegung darstellt, wie sie ähnlich unter anderen 
produzierenden Ständen Bedeutung erlangt hat. 
Die Gründe für die Rückständigkeit in der ländlichen Kooperation 
in England scheinen dieselben zu sein, mit denen andere Länder früher 
auch zu kämpfen hatten, jetzt aber schon fertig sind, nämlich der Kon 
servatismus des Bauern überhaupt und Eifersucht und Mißtrauen unter 
den Genossen. Dazu kommt bei uns noch der Umstand, daß die Small 
Holdings, das natürliche Feld der Genossenschaften, noch zu klein an 
Zahl sind und zu weit zerstreut liegen. 
Trotz allen Schwierigkeiten beginnt das Genossenschaftswesen end 
lich auch bei uns Wurzel zu fassen. Die Gesellschaft für landwirt 
schaftliche Organisation ist mit Unterstützung des Landwirtschafts 
ministeriums erfolgreich gewesen in der Gründung von Genossen 
schaften mannigfacher Art und in verschiedenen Teilen des Landes.
	        
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