Object: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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überall auf dem Kontinent eine eigene Fabrikindustrie. In Deutsch 
land war es Rheinland, Westfalen und das Königreich Sachsen 1 ), wo 
die Spinnereien zuerst mit Maschinen ausgerüstet wurden. Sie waren 
dadurch imstande, den einheimischen Garnbedarf zu decken. Die 
Stellung der Industrie war aber noch nicht so gefestigt, daß sie nach 
den Napoleonischen Kriegen, sich selbst überlassen, weiter gedeihen 
konnte. Bei der Einrichtung von Fabrikbetrieben fehlte es vielfach 
an Sachkenntnis und Erfahrung, und das Privatkapital hielt sich fern. 
So gingen viele Spinnereien wieder ein. Die Weberei zwar war der 
englischen Konkurrenz weniger ausgesetzt, bei der Spinnerei aber 
machte sich das Fehlen eines Zollschutzes unliebsam bemerkbar. 
Auch nachdem Preußen im Jahre 1818 den Zentner Baumwollgarn 
mit einem Einfuhrzoll von einem Taler belegt hatte, schien es so, 
als sollte England der Lieferant der deutschen Weber bleiben. 
England besaß in mehrfacher Hinsicht einen natürlichen Vor 
sprung. Der Grund hierfür ist einerseits in günstigen Naturchancen 
zu suchen, andererseits aber in der Konzentration der Industrie auf 
ein verhältnismäßig kleines Gebiet und in der schon frühzeitig durch 
gebildeten Arbeitsteilung. Dazu kommt, daß England gerade in der 
Zeit, wo sich die Maschinenarbeit einbürgern mußte, im Innern von 
Krieg verschont blieb, ferner wurde der Baum Wollindustrie seitens 
der Gesetzgebung jeder erdenkliche Schutz zuteil. So konnte sich 
hier die Umgestaltung verhältnismäßig schnell entwickeln, und die 
ersten Unternehmer konnten in kurzer Zeit große Vermögen er 
werben. 
Deutschland dagegen hatte sehr viel unter Kriegsnot zu leiden, 
und die freie Entfaltung der industriellen und kaufmännischen Kräfte 
stieß auf Schritt und Tritt auf Flindernisse: die Unsicherheit und 
Mannigfaltigkeit der Rechtsverhältnisse, die- mangelnde Organisation 
des Handels, des Geld-, Kredit- und Bankwesens, des Verkehrswesens, 
hauptsächlich aber die Verschiedenheit der Münzen, Maße und Ge 
wichte und die zahlreichen Binnenzollschranken stellten sich einer 
gedeihlichen Entwicklung feindlich in den Weg. 
Der erste Schritt zur Besserung war die Gründung des deutschen 
Zollvereins. Dadurch fielen die Verkehrsbeschränkungen im Innern 
fort und erhielten die Zollverhältnisse nach außen eine gemeinsame 
Regelung. Mit dem Wegfall der Binnenzölle war eine nicht geringe 
Verbilligung der Produktionskosten verbunden und eine Erweiterung 
des Absatzes. Damit aber wurde die Industrie aus einer mehr lokalen 
) Hier betrug die Spindelzahl 1814 schon 276625 (L. Bein, a. a. O. S. 167 Anrn.).
	        
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