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vollkommen beherrscht. Andererseits verwendet die Weberei zur
Herstellung ihrer Produkte zum weitaus größten Teile gerade diese
Garne. Eine Zollherabsetzung für die niederen Garnnummern erscheint
deshalb nicht nur berechtigt, sondern im beiderseitiger Interesse
geradezu dringend geboten, für die Spinnerei, weil sie geeignet ist,
der Überproduktion Einhalt zu gebieten, für die Weberei, weil sie
ihre Selbstkosten erniedrigt. Die feineren Garne nun werden haupt
sächlich zu Tüll, Spitzen und Stickereien und zu Gardinenstoffen ver
arbeitet. Die Ausfuhr in diesen Artikeln repräsentiert einen großen
Wert, der Weberei liegt deshalb daran, die Exportmöglichkeit zu
verbessern. Solange die deutsche Feinspinnerei Garn nicht mindestens
in gleich guter Qualität und zu demselben Preise als die englische
und schweizerische liefern kann, ist die Weberei auf ausländisches
Garn angewiesen. Wie wir gesehen haben, ist nun der Prozentanteil
ausländischen Garnes an dem Verbrauch der Nummern 46 bis 60 in
verhältnismäßig kurzer Zeit ganz beträchtlich zurückgegangen, und
dies bei einem Zollsatz von 24 M. Man kann daher annehmen, daß
ein Bedürfnis nach einem Erziehungszoll im Sinne Fiedrich Lists
nicht mehr vorliegt, wenn die Einfuhr 1900 auch immer noch etwa
die Hälfte des Verbrauchs ausmachte. Rücksichtnahme auf die Export
interessen der Weberei hat deshalb Veranlassung gegeben den Zoll
etwas zu erniedrigen. Man kann sicher annehmen, daß diese Maß
nahme die Spinnerei nicht schädigen wird.
Etwas anderes ist es mit den höheren Garnnummern. Von einer
Beherrschung des inneren Marktes kann nicht entfernt die Rede sein;
immerhin ist die Produktion ziemlich bedeutend gestiegen, das Be
streben der deutschen Spinnerei, dem Bedarf der Weberei an Fein
garnen selbst gerecht zu werden, ist also unverkennbar und verdient
volle Unterstützung durch eine geeignete Zollpolitik. Andererseits
machten die Weber geltend, daß sich ihre Lage verschlimmert habe.
Die vorhandenen Produktionsmittel ständen nicht im richtigen Ver
hältnis zu den Absatzmöglichkeiten, der Export stoße auf immer mehr
Schwierigkeiten. Namentlich die Einführung des Dingley-Tarifs von
1897 in den Vereinigten Staaten habe dem Export dorthin sehr ge
schadet, ferner die rasche Entwicklung der Textilindustrie in bisherigen
Absatzgebieten, die Aufbietungen der Konkurrenten u. a. m. Wie
1 878/79, so glaubte man auch diesmal wieder darauf hinweisen zu
müssen, daß die Weberei ca. siebenmal soviel Personen beschäftigt
als die Spinnerei und daß die Weberei schon aus sozialpolitischen
Gründen — der vielen Selbständigen und der Hausindustriellen wegen