Object: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

und der Steuern sind ziemlich verschieden in den Vereinen, wodurch 
eine Differenz hervorgerufen werden kann. Besonders wichtig ist aber 
bei dieser Frage, wie weit ein Verein darauf bedacht ist, die Hebung 
der Arbeitnehmerklasse durchzuführen. Fast alle Konsumgenossen 
schaften wollen die Arbeitsbedingungen der unteren Klassen heben. 
Den einen ist das aber weit weniger zum Bewußtsein gekommen 
als den andern, oder sie sind vielleicht überhaupt noch nicht stark 
genug, besondere soziale Aufgaben zu lösen. Anderen Vereinen, be 
sonders den großen, ist aber die Hebung der Nominallöhne und son 
stigen Arbeitsbedingungen eine nicht minder wichtige Aufgabe als die 
Hebung der Reallöhne, d. h. der Kaufkraft des Geldes. Sie gehen 
dabei ganz systematisch unter Aufwendung großer Mittel vor. „Wir 
könnten einen wesentlich höheren Ueberschuß erzielen", sagte mir 
gelegentlich der Geschäftsführer eines badischen Vereins, „wenn wir 
unsere ganzen Transportarbeiten einem Spediteur übertragen würden. 
Von uns verlangen die Arbeiter viel mehr — und können es auch 
verlangen — als vom erwerbsmäßig betriebenen Speditionsgeschäft. 
Dennoch übernehmen wir den Fuhrpark in eigene Regie, gerade um 
die Arbeitsverhältnisse der Transportarbeiter zu verbessern. Wir 
kennen nur eine Grenze für unsere sozialen Bestrebungen, d. i. unsere 
Leistungsfähigkeit. Auf diese", fügte der betr. Konsumgenossenschafts 
praktiker hinzu, „nehmen die Arbeitnehmer allerdings nicht immer 
Rücksicht." Allein dieser Umstand der verschiedenen sozialen Lei 
stungen kann schon Hervorrufen, daß in den großen und größten Ver 
einen, wo die Umschlagsschnelligkeit doch den Prozentsatz der Unkosten 
vom Umsatz wesentlich herabdrückt, der Unkostensatz verhältnismäßig 
höher ist als in kleineren oder mittleren Vereinen. Man beobachtet, 
daß große leistungsfähige Konsumgenossenschaften oft einen höheren 
Unkostensatz haben als mittlere. Es kann das allerdings auch auf 
eine schlechte Wirtschaftsweise zurückzuführen sein, indem z. B. ein 
Verein in seinem Expansionsbestreben Verteilungsstellen errichtet, 
deren Versorgung große Transportkosten erfordert, während der Um 
satz nicht entsprechend hoch ist?) 
Wir stellten oben bei den Vereinen des Zentralverbandes einen 
Unkostensatz von ll,6o/o fest, einen Prozentsatz, der hauptsächlich des 
halb so hoch ist, weil die Unkosten der Eigenproduktion zum großen 
Teil darin enthalten sind. Mag diese Zahl auch keinen allgemeinen 
Wert als Vergleichsmaßstab haben, so zeigt sie uns doch, wenn wir 
s ) Dieser willkürlich angeführte Fall wird desto mehr an Bedeutung ver 
lieren, je dichter das Verteilungsstellennetz in dem Bezirke des Vereins wird.
	        
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